Robert Schumann Alexander Melnikov Teil 2 (Montage rbb)

CD-Kritik - Schumann-Trilogie von Melnikov (Teil 2)

Bewertung:

Das Klavierkonzert klingt eigenartig. Erst beim Klavier-Trio wird es versöhnlicher.  

Der russische Pianist Alexander Melnikov arbeitet gerade mit seinen beiden Kammermusikpartnern, der Geigerin Isabelle Faust und dem Cellisten Jean-Guihen Queyras, an einer Schumann-Triologie: Auf drei Alben sollen je eins der großen Solo-Konzerte mit dem Freiburger Barockorchester und ein Klaviertrio eingespielt werden. Den Anfang hat im März dieses Jahres Isabelle Faust mit Schumanns Violinkonzert gemacht. Teil zwei erscheint am Freitag, darauf zu hören: das Klavierkonzert op. 54 und das zweite Klaviertrio.  

Melnikov und das Hammerklavier

Als ausgesprochener Hammerklavierliebhaber hat Melnikov es sich nicht nehmen lassen, das Schumannsche Klavierkonzert auf einem Érard-Flügel aus dem Jahr 1837 zu spielen. Der hat nicht nur diesen typischen etwas gedämpften Perlmuttklang, den man auch von anderen Hammerflügeln aus dieser Zeit kennt, er ist mit seinem nussbraunen Teint und den dezenten Verzierungen auch noch wunderhübsch anzusehen. Diesen Eindruck vermittelt zumindest die dazugehörige DVD, ein Mitschnitt des Live-Konzerts aus dem Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Das genaue Datum ist nicht zu erfahren, schließlich steht ja auch die Musik im Mittelpunkt. Oder besser gesagt: der Flügel, der sich lautstärketechnisch, dank verstärkender Mikrophone, wunderbar gegen das Orchester durchsetzen kann. Für einen historischen Flügel eine große Leistung, und es ist schön, diesen endlich mal in voller Klangentfaltung im Zusammenspiel mit einem Orchester erleben zu dürfen. So richtig historisch korrekt ist das dann allerdings auch wieder nicht. Aber sei’s drum, so, oder so ähnlich wird es bei der Uraufführung in den 1840ern schon geklungen haben.

Phantasie im Dreivierteltakt

Was sehr wahrscheinlich nicht so gewesen sein wird, sind die unterschiedlichen ästhetische Ansätze von Solist und Orchester. Unsaubere Einsätze können in einer Live-Situation schon mal vorkommen, noch dazu treibt Melnikov das Orchester besonders im ersten Satz ordentlich (und mühelos) vor sich her. Und doch bleibt er durch und durch romantisch: er spielt mit den Tempi, kostet die Klänge aus, stellt mit viel Ausdruck die expressiven Seiten heraus und zieht weite Bögen. Dummerweise folgen die Freiburger dem in sehr viel kleineren Dimensionen. Vor allem im dritten Satz macht sich diese Diskrepanz deutlich bemerkbar. Hier nimmt Pablo Heras Casado den Dreivierteltakt etwas zu ernst. Mit einer bemerkenswerten Konsequenz und ganz im Stile der modernen Barockinterpretation legt er alle Kraft auf die erste Zählzeit, so dass sich dazu zwar wunderbar ein beschwingtes Menuett tanzen ließe, die großen, weit gespannten Bögen, die für den Zusammenhalt sorgen und dem Ganzen erst einmal Sinn verleihen, gehen leider vollkommen unter. Stattdessen schlüpft das Orchester in eine starre, bewegungslose Begleiterrolle, ohne das Klavier wirklich zu tragen, und da, wo es etwas zu sagen hätte, da fällt ihm dann nicht viel mehr ein, als eine barocke Tanznummer aufs Parkett zu legen. Es ist halt doch nicht jedes Orchester für das romantische Repertoire geeignet.  

Aufatmen beim Klaviertrio

Glücklicherweise haben Isabelle Faust, Alexander Melnikov und Jean-Guihen Queyras dem Album noch das zweite Klaviertrio von Robert Schumann beigefügt: der beste Beweis dafür, dass ein Hammerklavier im kleinen Rahmen ganz wunderbar und vor allem authentisch klingen kann. Hier hat sich Melnikov für ein Instrument aus dem Hause Streicher, einer Wiener Klavierbauer-Familie, entschieden. Diesen Flügeln wird gemeinhin ein silbriger Klang nachgesagt, der sich mit zunehmender Lautstärke auch gern mal in einen eisernen Ton verwandeln kann. In der Tat klingt der Streicher-Flügel ein bisschen geschmeidiger als sein Erard-Kollege. Nicht nur dieser Umstand lässt einen durchaus versöhnlichen Abschied von diesem Album nehmen. Auch die Tatsache, dass Faust, Melnikov und Queyras einfach ein unschlagbares Kammermusikteam sind, wirkt wie ein kleines Trostpflaster nach dem doch recht eigenartigen Einstieg.

Ulrike Klobes, kulturradio