Robert Schumann: Complete Symphonic Works vol. VI; Montage: rbb

Ouvertüren u. "Zwickauer Sinfonie" - Robert Schumann: Complete Symphonic Works vol. VI

Bewertung:

Wenn Holligers CD mit den Fanfarentönen der "Julius Caesar"-Ouvertüre zu Ende geht, ist damit auch ein Aufnahmezyklus vollendet, der noch lange Bestand haben wird...

Robert Schumann ist für den Schweizer Oboisten, Komponisten und Dirigenten Heinz Holliger mehr als eine Passion. Seit seiner Jugend ist er geradezu besessen von der musikalischen Welt des Romantikers. Er sei in jeder seiner eigenen Kompositionen präsent, gab er einmal zu. Als Dirigent aller Orchesterwerke von Schumann hat Holliger nun eine Reihe maßstäblicher CDs aufgenommen.

Die sechste und letzte Folge sämtlicher sinfonischer Werke von Schumann umfasst sechs Ouvertüren und die frühe so genannte "Zwickauer Sinfonie". Wie bei den vorangegangenen Teilen entfaltet sich auch hier eine fein abgestimmte Dramaturgie, die verschiedene Lebensphasen und Stoffe zu einem größeren Bild zusammenfügt. Schon in der vom 21-jährigen Schumann in mehreren Anläufen zu Papier gebrachten "Zwickauer Sinfonie" weht und zirkuliert ein unruhiger Geist. Die in den 1850er Jahren, und also als "spät" apostrophierten Ouvertüren lenken diesen Geist auf literarische Stoffe von Shakespeare, Goethe, Schiller und Lord Byron. Aufruhr herrscht auch hier, aber doch in dramatische Form gegossen.

Schnelle Umschwünge

Dass die Ouvertüren heute kaum noch im Konzertleben anzutreffen sind, ist ein Manko des weniger auf klassische Bildung als auf Effekt zielenden Konzertbetriebs. Zumindest hat Heinz Holliger mit diesen Aufnahmen alle Vorurteile gegenüber einer groben Orchestrierung oder Gedankenschwäche bei Schumann gründlich widerlegt. Die Marseillaise in der Ouvertüre zu Goethes "Herrmann und Dorothea" ist nicht der einzige revolutionäre Ton, der hier immer wieder anklingt. Das Obsessive von Schumanns notorischen Motivdrehungen und –windungen schlägt hier Funken. Dabei sind die Tempi nirgends übertrieben schnell. Holliger strafft vor allem die Dynamik, die schnelle Umschwünge vollführen kann, ohne Nebenstimmen zuzudecken. Das WDR Sinfonieorchester Köln hat sich hier einen überraschend hellen Schumann-Ton erarbeitet, der fast kammermusikalisch erscheint.

Wenn diese CD mit den Fanfarentönen der "Julius Caesar"-Ouvertüre zu Ende geht, ist damit auch ein Aufnahmezyklus vollendet, der noch lange Bestand haben wird als einsichtige und Einsichten verschaffende Schumann-Gesamtschau.

Dirk Hühner, kulturradio

Mehr Orchestermusik