For Children; Montage: rbb

Solist - "For Children"

Bewertung:

Diese CD macht Lust aufs Klavierspielen und mehr Klaviermusik.

"Stücke für Pianisten und andere Kinder" hat Thomas Larcher die 12 Miniaturen genannt, die er im Auftrag von Lars Vogt für dessen Festival "Spannungen" in Heimbach 2010 komponiert hatte. In diesen fantastischen Geschichten - er selbst spricht von Gedichten - mit Titeln wie "Sad yellow whale" (Trauriger gelber Wal) oder "Don't step on the Regenwurm" (Tritt nicht auf den Regenwurm) bezieht er sich auf Themen, die in der Welt der Kinder präsent sind. Die jungen MusikerInnen fühlen, dass sie ernst genommen werden und fühlen sich vielleicht selbst angeregt, zu komponieren. Der Profi-Pianist Lars Vogt entdeckt in diesen kurzen Bildern und Geschichten fürs Klavier, ob von Larcher, Schumann oder Bartók vor allem das Spielerische, Unberechenbare, Freie. Er habe "Spaß an Stücken, die mit wenigen Noten viel sagen", erklärt Lars Vogt und schwärmt: "Das ist das Tolle, was diese Komponisten ermöglicht haben, dass man schon sehr früh an wirklich große Musik herangehen kann."

Ein Profi in Kinderschuhen?

Der Pianist, der die klassischen Klavierkonzerte mit betörender Poesie und virtuoser Leichtigkeit füllt, findet in diesen Kinderstücken wieder die ursprüngliche, unverstellte Freude in sich, die er als Anfänger an diesem Repertoire entwickelt hat. Das Lächeln, mit dem Lars Vogt heute den knuddeligen Teddy auf den Tasten neben seinen Händen ansieht, spricht Bände - es ist liebevoll - verschmitzt - und dieser große Junge, dem man hier begegnet, möchte zweifelsohne fantastische Abenteuer mit gestalten. Natürlich ist die Fantasie des Erwachsenen eine andere als die eines Kindes. "Erster Verlust" aus dem Album für die Jugend weckt bei dem Mitte 40jährigen andere Assoziationen als bei einem 7jährigen. So ist es für das Kind vielleicht der Verlust des Teddys, der schmerzt, beim Erwachsenen schwingen andere Geschichten mit, kommentiert Lars Vogt. Aber es geht nicht ums Vergleichen zwischen der kindlichen Fantasie und der des Erwachsenen, es geht grundsätzlich darum, die Musik mit Fantasie zu füllen, eine persönliche Beziehung zu entwickeln. Wenn Lars Vogt diese Stücke spielt, werden sie nicht nur intim, sie stehen gleichzeitig auf der Bühne und sprechen jeden persönlich an.

Und aus Sicht des Klavierschülers?

Wer Lars Vogt in seinen Zauberkasten schauen möchte, kann beim aufmerksamen Hören viel lernen: Da ist zum einen der Gebrauch des Pedals, der aus einer schlichten Melodie ein klangvolles Gedicht zaubert, und da zieht die Magie der Form in ihren Bann, wobei man beobachten kann, wie Lars Vogt sie ganz subtil über Lautstärke und Tempo überzeugend gestaltet.

"For Children" ist ein vorzügliches Album, sich kurzweilig unterhalten zu lassen, dabei in die Welt von Robert Schumann einzutauchen (der hatte immerhin 8 Kinder), in die faszinierende osteuropäische Klanglandschaft aus Bartóks Kulturkreis (mit den vielen im Volk lebendigen Melodien und Tänzen) und in die Welt eines europäischen (in Österreich geborenen) Pianisten und Komponisten von heute.

Eine Einladung für Erwachsene, die früher Klavier gespielt haben!

Diese Sammlung könnte so manchen Erwachsene dazu bewegen, die in einem Regal verstaubenden Noten aus seiner Jugend wieder hervorzukramen. Lars Vogt verführt mit seinem poetischen, lebendigen, spielerischen Tonfall jeden, der einmal die Kurzgeschichten aus Schumanns "Album für die Jugend"  im Unterricht gespielt hat, sich wieder neu an eines der Stücke heranzuwagen. Auch Bartóks Melodien und Tänze "Für Kinder" kommen mit einer solchen Leichtigkeit und so charmant daher, dass mancher Mut bekommt, sich in diese exotischen Klangwelten zu wagen. Der Vorteil: bei diesen kurzen zwischen 40 Sekunden und drei Minuten langen Stückchen (die es in sich haben), liegt die Messlatte hoch, aber das Ziel nicht unerreichbar.

Margarete Zander, kulturradio

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