Le Théâtre Musical de Telemann; Montage: rbb

Alte Musik - Le Théâtre musical de Telemann

Bewertung:

Frisch und lebendig - Auf der neuesten CD präsentiert das Ensemble Masques drei Ouvertürensuiten und ein Konzert von Telemann.

In der Zeit um 1700 galten die Ouvertürensuiten nach dem Vorbild von Jean-Baptiste Lully als Inbegriff der modernen, höfischen Instrumentalmusik. Auch viele Komponisten im deutschsprachigen Raum nahmen diesen Stil auf, darunter etwa Johann Friedrich Fasch, Christoph Graupner und natürlich Johann Sebastian Bach. Besonders fleißig auf diesem Gebiet aber war Georg Philipp Telemann. An seinen Lebensstationen als Hofkapellmeister in Eisenach sowie als Städtischer Musikdirektor in Frankfurt am Main und Hamburg komponierte er regelmäßig Ouvertürensuiten und hinterließ rund 120 zum Teil recht ausgewachsene Werke.

Eingeleitet werden diese Suiten stets durch eine Ouvertüre mit einer langsamen, punktierten Einleitung, einem schnellen, fugierten Mittelteil und einem wiederum langsamen, dem Beginn verwandten Schluss. An diesen gewichtigen Kopfsatz schließen sich dann mehrere, meist kürzere Sätze an, dabei handelt es sich meist um stilisierte Tanzsätze; aber auch Variationssätze oder musikalische Charakterschilderungen treten auf. Und nicht zuletzt lässt Telemann in etlichen Ouvertürensuiten seinen großen Humor aufblitzen, wenn er etwa einzelne Völker musikalisch aufs Korn nimmt oder die Geschichte von Don Quichotte nachzeichnet.

Das 1998 von dem kanadischen Cembalisten Olivier Fortin gegründete Ensemble Masques hat sich seit Beginn seiner Arbeit auf die Streichermusik des 17. Jahrhunderts spezialisiert und bereits mehrere eindrucksvolle CDs, unter anderem mit Werken von Johann Heinrich Schmelzer und Romanus Weichlein veröffentlicht.

Hinreißend frisch und lebendig

Auf ihrer neuesten CD präsentieren die sechs jungen Musiker drei Ouvertürensuiten und ein Konzert von Georg Philipp Telemann. Sie nähern sich dem Komponisten dabei nicht aus der Retrospektive, sondern aus dem virtuosen Frühbarock. Telemanns Streicherouvertüren werden gewissermaßen klanglich als Weiterentwicklung der virtuosen Kompositionen von Biber, Schmelzer oder auch Corelli angesehen. So entscheiden sich die Mitglieder des Ensembles Masques für eine konsequent solistische Besetzung und musizieren die Stücke zu sechst.

Das ergibt im Vergleich zu den sonst vielgespielten Versionen mit größeren Barockorchestern natürlich einen ganz anderen Klang: Alles ist extrem durchhörbar und jede Stimme besitzt eine gleichberechtigte Bedeutung. Dank des perfekten Zusammenspiels und einer hervorragenden Aufnahmequalität wirken die Stücke aber dennoch orchestral und nicht kammermusikalisch, zumal das Ensemble fortwährend darauf bedacht ist, dynamische Kontraste, Tempounterschiede, Rubati und viele andere Spieleffekte einzufügen. So rasant und exakt hat man selten Don Quichottes "Kampf gegen die Windmühlen" gehört, aber auch die „Seufzer nach Prinzessin Dulcinea“ geraten zu einem Kabinettstückchen, in dem man nicht weiß, ob man mittrauern oder lachen soll.

Die vielschichtige Ironie, die Telemann in den Ouvertürensuiten angelegt hat, machen die Musiker des Ensembles Masques hörbar; es gelingt ihnen eine hinreißend frische und lebendige Interpretation.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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