Jan Vogler - Robert Schumann: Cello-Konzert a-Moll op. 129 und Sinfonie Nr. 2; Montage: rbb

Herbstmusik - Robert Schumann: "Cello-Konzert a-Moll, op. 129 und Sinfonie Nr. 2"

Bewertung:

Jan Vogler und das Dresdner Festspielorchester spielen das Cellokonzert von Robert Schumann. Fertiggestellt im Herbst 1850, aber erst nach Schumanns Tod uraufgeführt.

Wunder der Form

Das Publikum in der Mitte des 19. Jahrhundert war einfach noch nicht bereit für dieses „Wunder der Form“. So nennt Jan Vogler das zunächst unbeliebte Werk. Eine ungewohnte Struktur, viele formale Freiheiten - Schumann hätte auch „Rhapsodie mit Orchester“ über dieses Werk schreiben können.

Ungeliebtes Konzertstück

Für die Solo-Cellisten der damaligen Zeit war dieses Konzertstück einfach nicht effektvoll genug. Warum so viele komplizierte Sprünge üben, wenn am Ende keine strahlende Solo-Kadenz steht und kein Beifallssturm losbricht ? Schumann hat mit diesem Konzert die Cellisten verstimmt, ihre Änderungswünsche nur zögerlich eingearbeitet. Zur Strafe gewährte man dem Werk zunächst keine Uraufführung, die fand erst 1860, nach Schumanns Tod, statt.

Quinten und Quarten

Mit gespenstisch leeren Quinten lässt uns Schumann von Ludwig van Beethoven grüßen, winkt mit modernen Quart-Akkorden aber auch dem drei Jahre  jüngeren Richard Wagner zu. Musikalisch-psychologische Komplexität, in die Jan Vogler mit seinem expressiven Cellospiel tief hineinsteigt. Ohne sich in den Abgründen, womöglich im Schumann'schen Wahn, zu verlieren.

Zwiesprache

Im 2. Satz des Konzertes müssen Zuhörer und Musiker dann aber doch kurz um ihr Seelenheil fürchten - so erschütternd schön ist dem Komponisten hier die musikalische Zwiesprache zweier Liebender - natürlich Clara und Robert - gelungen. Jan Vogler gestaltet dieses kurze Duo in der Mitte des langsamen Satzes zur schönsten Stelle des gesamten Konzertes, vielleicht der gesamten Romantik.

Gelungene Wiederaufnahme

Jan Vogler hat das Werk vor genau 15 Jahren schon einmal aufgenommen, auch damals schon mit exzellenter Spieltechnik und perfektem Ausdruck. Bei der neuen Aufnahme kommt jetzt noch ein von Ivor Bolton auf den Punkt vorbereitetes Originalklangorchester hinzu. Auch Jan Vogler spielt hier mit Darmsaiten auf seinem Stradivari-Cello - klanglich perfekter Schumann.

Hans Ackermann, kulturradio

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