American Moments; Montage: rbb
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Klaviertrio - "American Moments"

Bewertung:

Das Neave Trio ist so international wie nur möglich: Eine japanische Pianistin, ein russischer Cellist und eine amerikanische Geigerin haben sich in San Diego unter einem Gälischen Namen zusammengeschlossen. Für sein CD-Debüt setzt das Trio vorwiegend auf amerikanische Musik.

Wiener Wundertüte

Ganz zutreffend ist der Titel "American Moments" nicht, denn Korngold schrieb sein Klaviertrio op. 1 lange bevor er in die USA emigrieren musste. Die beiden anderen Trios auf der CD sind zwar von Amerikanern komponiert, orientieren sich aber stark an europäischen Vorbildern. Der Bostoner Organist und Klavierlehrer Arthur Foote schrieb sein zweites Klaviertrio 1908 mit viel Brahms, Strauss und Reger im Sinn. Seine schwelgerischen Melodien sind zugleich fantasievoll und restaurativ. Der erst 12-Jährige Korngold packte sein 1910 vollendetes Trio voll mit glitzernden Einfällen wie eine Wiener Wundertüte. Das Trio von Bernstein ist dagegen eine Studentenarbeit, die klassische Techniken erprobt und listig verbiegt.

Lohnende Entdeckungen

Das Neave Trio zeigt zunächst einmal seinen Mut in der Programmauswahl, die alles andere als gewöhnlich ist. Alle drei Werke auf der CD sind lohnende Entdeckungen und sorgen zunächst einmal für Aufmerksamkeit. Die Musiker können hier in klassisch-romantischem Klang unbekanntes Terrain erobern. Wenn etwas den Stücken gemeinsam ist, dann die gedrängte Überfülle. Hier punktet das Neave Trio mit schneller Reaktion und unerschütterlicher Balance. Die Freude am Wechselspiel äußert sich in tänzerischer Gelöstheit, was angesichts der teilweise doch recht angestrengten Kompositionen umso wichtiger ist. Passenderweise will das Trio als Folgeprojekt Tangos von Piazzolla aufnehmen.

Dirk Hühner, kulturradio

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