Norbert Anger © Andreas Kermann

Solist - Haydn/Mozart: Cellokonzerte

Bewertung:

Norbert Anger ist einer der richtig guten Cellisten der jüngeren Generation. Er ist gebürtiger Sachse, noch keine 30 Jahre alt, hat diverse schwierige Wettbewerbe gewonnen, ist bereits seit 3 Jahren Kapellmeister der Violoncelli bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden – und wird auch als Solist hoch gelobt. Nun ist nach Kammermusik seine erste CD mit ihm als Solisten herausgekommen, darauf spielt er: Cellokonzerte von Haydn und Mozart.

Aber keine Sorge, niemand hat eine Sensation verpasst – es bleibt dabei, Mozart hat kein Cellokonzert komponiert. Das so genannte "Cellokonzert", das hier auf dieser neuen CD zu hören ist, ist eigentlich das dritte Hornkonzert von Mozart, KV 447, für Cello bearbeitet von dem spanischen Cellisten Gaspar Cassadó. Zu Zeiten von Haydn, Mozart, Beethoven gab es zwar viele Flöten- und Violinkonzerte, aber kaum jemand hat Cellokonzerte geschrieben.

Cellisten waren damals noch keine Solisten, sondern vor allem Ensemblemusiker. Will ein Cellist Wiener Klassik spielen, muss er also auf die zwei Konzerte von Joseph Haydn zurückgreifen, und die wurden ja auch erst spät entdeckt – nämlich erst 1951 und 1961. Cellist Gaspar Cassadó kannte die also noch gar nicht, als er Mozart bearbeitet hat - sein Mozart-Konzert hat er schon 1930 in Bukarest uraufgeführt.

Es bleibt ein Hornkonzert

Insgesamt klingt das recht hübsch, und wenn man bedenkt, dass Mozart selbst ja zum Beispiel sein Oboenkonzert zweitverwertet hat und ein Flötenkonzert daraus gemacht, wenn man sich anhört, wie oft Bach seine Konzerte für andere Besetzungen bearbeitet hat – warum soll da nicht ein Cellist kommen und sich ein Mozart-Konzert zurechtbasteln? Dennoch - ein echtes Mozart-Cellokonzert würde sich wahrscheinlich ganz anders anhören. Das hier ist und bleibt dann eben doch ein Hornkonzert, das auf dem Cello nur bedingt funktioniert.

Leichter, schwereloser Klang

Das eigentlich Spannende an dieser CD sind die beiden Cellokonzerte von Joseph Haydn. Die Konzerte sind ja sehr bekannt, und da hat Norbert Anger mit starker Konkurrenz auf dem Plattenmarkt zu kämpfen – er tritt an gegen eigentlich alle guten Cellisten quer durchs 20. und 21 Jahrhundert – von Pablo Casals über Jacqueline du Pré und Mstislav Rostropovich bis hin zu Maximilian Hornung und Sol Gabetta – und die haben alle ihre ganz eigene Handschrift an den Konzerten hinterlassen.

Das Schöne und Besondere nun an der Aufnahme mit Norbert Anger ist ein ganz leichter, fast schwereloser Klang – da kommen feine, zarte Töne wie aus dem Nichts, er spielt mit unglaublich leichter Hand – und das ist auch insofern bemerkenswert, weil diese Haydn-Konzerte sehr schwer zu spielen sind, gespickt mit Doppelgriffen. Und diese Leichtigkeit, dieser schwebende Klang, den nehmen die Dresdner Kapellsolisten auf und führen sie fort. Der Aufnahmeort, die Lukaskirche in Dresden, tut mit einer Portion Kirchenhall noch das seinige dazu. Das Ganze klingt ein bisschen wie Glucks Reigen der seligen Geister in Form der Haydn-Cellokonzerte.

Anja Herzog, kulturradio

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