Ignaz Paderewski: The American Recordings; Montage: rbb

Klavier - Paderewski: The American Recordings

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Berauschend schön. Die hier versammelten, sämtlichen Victor Recordings aus seiner bester Zeit, der amerikanischen Phase, zeigen Ignacy Jan Paderewski technisch in großer Form.

Der polnische Klavier-Großmeister Ignacy Jan Paderewski (1860-1941) war der große Pianist der Vorkriegszeit schlechthin, welchem die wichtigste und umfassendste Karriere seit Franz Liszt nachgesagt wurde. Studiert hatte er in Berlin, um von hier aus zu Theodor Leschetitzky nach Wien zu wechseln – dem wichtigsten Lehrer der russischen Schule überhaupt (von ihm kamen Friedman, Godowski, Moisewitsch und ebenso Artur Schnabel). Schon 1914 ging Paderewski in die USA, wodurch er zum wichtigsten internationalen Multiplikator seiner Schule wurde. Ihm ist ein Stern auf dem Hollywood of Fame gewidmet. Seine Ausstrahlungskraft beschränkte sich nicht aufs Musikalische. 1918 war er es, der den amerikanischen Präsidenten Wilson davon überzeugte, dass bei der Neuordnung Europas eine Wiedergründung Polens eine wesentliche Rolle spielen müsse. 1919 wurde Paderewski zum Ministerpräsidenten und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik ernannt, er unterzeichnete den Versailler Vertrag. Es handelt sich um einen Lebenslauf, zum dem selbst in der heutigen, globalisierten Welt kein musikalisches Pendant aufzutreiben ist.

Fast vollständig in Vergessenheit geraten

Auch zu Paderewskis glitzerndem, unfassbar eloquenten und dahinfließenden Spiel findet man keinen heutigen Vergleichsmaßstab. Sein ausgiebiger Gebrauch des Rubatos, besonders bei Chopin, ließ ihn nach dem II. Weltkrieg stark aus der Mode kommen. Hier setzte sein Nachfolger Arthur Rubinstein, begünstigt von der besseren Aufnahmetechnik, maßvollere Standards; die auch heute noch so sehr anerkannt sind, dass Paderewski als Interpret fast vollständig in Vergessenheit geriet. Und scheinbar überwunden wurde.

Rubato-Lust

Für Paderewski war der ausgiebige Gebrauch von Temporückungen und -eigenmächtigkeiten Ausweis der Ansicht, dass ein Werk erst im Augenblick seiner Aufführung vollendet werde. Seine Rubato-Lust ist Teil des Improvisierens. Dieses Element, aus der historischen Aufführungspraxis vertraut, findet im Klavierspiel der Gegenwart noch immer kaum Beachtung. Dabei muss man zugeben, dass Paderewski einen historischen Platzvorteil, eine Nähe zum Original für sich beanspruchen kann. Gerade in solchen Fragen können wir von ihm lernen.

Berauschend schön

Von den Aufnahmen dieses Giganten war bislang nur Flickwerk greifbar. Unter dem vorbildlichen Remastering von Mark Obert-Thorn rauschen die Aufnahmen zwar immer noch gewaltig. Die hier versammelten, sämtlichen Victor Recordings aus Paderewskis bester Zeit, der amerikanischen Phase, zeigen ihn technisch in großer Form – in Aufnahmen von 1914 bis 1931. Berauschend schön.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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