Montage: rbb
Bild: Montage: rbb

Solist - Joel Frederiksen: "Tell Me True Love"

Bewertung:

Wahre Liebe – Auf seiner neuen CD singt der amerikanische Lautenist Joel Frederiksen Lieder von John Dowland.

"Fließt, meine Tränen, strömt aus allen Quellen" – mit  dieser traurigen Zeile beginnt John Dowlands bekanntestes Lied "Flow my teares". Ein Meisterwerk früher englischer Liedkunst, komponiert um das Jahr 1600. John Dowland diente in dieser Zeit am Hof des dänischen Königs Christian IV, viel lieber jedoch wäre er Hoflautenist bei seiner eigenen, der englischen Königin gewesen.

Doch Elisabeth I. ist für John Dowland zeitlebens unerreichbar geblieben. Immerhin hat ihn der Kummer darüber die schönsten und traurigsten Lieder der englischen Renaissance schreiben lassen: "Flow my teares", "In darkness let me dwell" oder auch das Titelstück des Albums, "Tell me true love" – "Sag mir, wahre Liebe, wo soll ich nach deinem Wesen suchen?"

Spielfreude

Joel Frederiksen singt Dowlands Lieder mit einer hellen, ungekünstelten Bass-Stimme. Diesen kräftigen Gesang begleitet er wie ein zeitgenössischer Barde selbst auf der Laute. Unterstützt wird der amerikanische Lautenist von seinem spielfreudigen Münchner "Ensemble Phoenix", das auch Dowlands komponierte Begleitungen für mehrstimmiges Gamben-Consort historisch informiert zu spielen weiß.

Insgesamt geben die 21 Lieder und Tänze auf dieser CD einen kompakten Überblick über Dowlands Werk: Lieder aus der ersten Sammlung von 1597 sind ebenso vertreten wie die berühmte "Frog Galliard", die hier als Lauten-Trio gespielt wird, hinzu kommen späte Lieder des 1626 in London gestorbenen Komponisten.

Zeitlos

John Dowland hat schon früh mit instrumentalen Affekten experimentiert, hat Gefühle mit Dissonanzen verstärkt, lange bevor diese musikalische Praxis dann im Barock-Zeitalter zur Regel geworden ist. Seine intensive künstlerische Suche nach der wahren und reinen Liebe hat zeitlose Lieder wie "Flow my tears" oder "In darkness let me dwell" hervorgebracht, die dann im 20. Jahrhundert unter anderem von Benjamin Britten wiederentdeckt wurden, und "im Original" jetzt bei Joel Frederiksen für Höhepunkte einer rundherum gelungenen, modernen Aufnahme sorgen.

Hans Ackermann, kulturradio

Weitere Rezensionen