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Oper - Anna Netrebko: "Manon Lescaut"

Bewertung:

In ihrer neuen Puccini-Gesamtaufnahme präsentiert sich Anna Netrebko, die kommerziell wichtigste Sängerin der Gegenwart, mit einem Salzburger Live-Mitschnitt vom Sommer des Jahres.

Von "Manon Lescaut", dem Erstlingserfolg von Giacomo Puccini, hat Netrebko in diesem Jahr schon einmal Ausschnitte veröffentlicht, darunter den gesamten 4. Akt; und zwar unter Studio-Bedingungen unter Leitung von Antonio Pappano im Rahmen ihres "Verismo"-Albums (gleichfalls bei der Deutschen Grammophon). Die Gesamtaufnahme, erneut mit ihrem Ehemann Yusif Eyvazov als Tenor-Partner, kann bei weitem damit nicht konkurrieren.

Ausstellung ihrer Gold-Stimme

Die Stimme der Netrebko hat sich in den letzten Jahren in konsequenter Weise ins dramatischere italienische Fach hinein entwickelt (wozu ihre phantastische "Trovatore"-Leonora in Berlin zu rechnen ist und ebenso die bevorstehende "Aida" in Salzburg 2017). Der Preis dafür besteht in leichten Grelltönen im oberen Register und in einem sich einschleichenden Tremolo bei den länger gehaltenen Noten. Klangfehler, die im Live-Eindruck nicht so stark ins Gewicht fallen mögen, im Mitschnitt aber umso mehr! Hinzu kommt, dass die bloße, zweckfreie Ausstellung ihrer Gold-Stimme mehr und mehr zu Lasten der Gestaltung und auch des Textes geht.

Eyvazov macht der Aufnahme den Garaus

Vollständig den Garaus macht der Aufnahme ihr Partner, den aserbaidschanische Tenor Yusif Eyvazov. Knickerig, knöchern und hart, im mittleren Register knödelnd, in den Skalen wacklig bewegt sich Eyvazov durch die Partie. Keine Schallplattenfirma der Welt hätte diesen als Stehtenor bewährten Live-Sänger für eine Gesamtaufnahme der Netrebko auch nur in Erwägung gezogen, wäre er nicht zugleich der Ehemann der Protagonistin.

Auch die Sänger der übrigen Rollen, Armando Piña (Lescaut) und Carlos Chausson (Geronte), können wenig punkten. Das Münchner Rundfunkorchester unter Marco Armiliato ist das eher wenige Geld, das sie für diesen Job kassiert haben dürften, durchaus wert. Konkurrenzfähig ist die Aufnahme nicht. Es handelt sich um einen blanken Netrebko-Vorwand. Doch die Sängerin – verschlimmert durch ihre zunehmende Neigung zu sämigen, unbeweglichen Tempi – droht der Schallplatte mehr und mehr abhanden zu kommen. Nicht empfehlenswert.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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