Sol Gabetta: Live (Elgar & Martinu Cellokonzerte); Montage: rbb
Bild: SONY Classical

Cello - Sol Gabetta: "Live"

Bewertung:

Spätromantik trifft Neoklassizismus – Auf ihrer neuen CD spielt die argentinische Cellistin Sol Gabetta das Cellokonzert von Edward Elgar und das Cellokonzert Nr. 1 von Bohuslav Martinů.

Kombination

Es handelt sich um packende Livemitschnitte, die im April und Mai 2014 an unterschiedlichen Tagen und mit zwei verschiedenen Dirigenten aufgenommen wurden: Simon Rattle dirigiert das oft gespielte Konzert von Edward Elgar. Beim vergleichsweise unbekannten Werk von Bohuslav Martinů hat der junge polnische Dirigent Krzysztof Urbański die Leitung übernommen – perfekte Kombination.

Inspiration

Oft wurden in der Vergangenheit die Cellokonzerte von Edward Elgar und Antonín Dvořák kombiniert. Höchst erfreulich, wenn Sol Gabetta jetzt von dieser Norm abweicht und Elgar zusammen mit Martinů präsentiert. Mühelos gelingt der Cellistin das moderne, neoklassizistische "Spiel mit Tönen", wie Martinů seine Arbeit genannt hat.

Im Elgar-Konzert kann man erleben, dass die spätromantische Klangwelt auch in unserer Zeit durchaus modern klingen kann. Sol Gabetta bleibt dabei immer in enger Verbindung zum Orchester, geht mit ihrem wunderbar inspirierten Cellospiel eigene, aber nicht eigensinnige Wege – perfekter Zusammenklang.

Konzentration

Das Konzert von Martinů – 1930 in Berlin von Gaspar Cassado, dem Lieblingsschüler des großen Pablo Casals, uraufgeführt – stellt an die Solistin höchste technische Ansprüche. Besonders im 1. Satz zeigt Sol Gabetta bei dieser Aufnahme, dass sie zurecht zur Weltspitze gezählt wird. So schnell und vertrackt die Doppelgriffe und Läufe auch sein mögen, diese Cellistin gibt alles, gerät aber nie ans Limit – perfekte Konzentration.

Sol Gabetta: Live (Elgar & Martinu Cellokonzerte); Foto: © Marco Borggreve
Sol Gabetta; © Marco Borgreve

Akklamation

Beide Konzerte enden nach der Musik mit tosendem Beifall. Man merkt und spürt geradezu, dass sich hier ein restlos begeistertes Publikum einfach Luft verschaffen musste – Folge eines atemberaubenden Vortrags, der mit höchster solistischer und sinfonischer Energie dargeboten wird.

Hans Ackermann, kulturradio

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