Euch ist ein Kindlein heut geborn - Luthers Weihnachten; Montage: rbb
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Alte Musik - "Euch ist ein Kindlein heut geborn"

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Mit seinen Chorälen begründete Martin Luther eine beispiellose kirchenmusikalische Erfolgsgeschichte. Das Ensemble Hamburger Ratsmusik unter Leitung von Simone Eckert hat fünf Luther-Choräle für die Advents- und Weihnachtszeit ausgewählt und eingespielt.

Schon in seiner Kindheit und Jugend wurde Martin Luther eine gründliche musikalische Ausbildung zuteil. An seinen Schul- und Studienorten Mansfeld, Magdburg, Eisenach und Erfurt wurde damit der Grundstein für die kontinuierliche praktische und theoretische Beschäftigung des Reformators mit Musik gelegt. Kurz vor seinem Lebensende äußerte er in einer Tischrede: "Musicam habe ich allzeit lieb gehabt. Wer diese Kunst kann, der ist guter Art und zu allem geschickt.

Eingängige Choräle

Obwohl Luther auch die Instrumente sehr schätzte und selbst Laute gespielt hat, blieb für ihn die Singstimme dann doch das vollkommenste Musikinstrument: "Im Vergleich mit der menschlichen Stimme ist alles andere beinahe unmusikalisch." Er selbst verfasste Texte und teilweise auch Melodien für mehr als 30 deutsche Kirchenlieder, die ab 1523 in verschiedenen Gesangbüchern veröffentlicht wurden und oftmals bis heute zum liturgischen Repertoire gehören. Allein rund 20 Choräle erschienen 1524 im Erstdruck des "Wittenberger Gesangbuches". Als Grundlage seiner Dichtungen dienten Martin Luther überwiegend Psalmen, Cantica und liturgische Texte in lateinischer Sprache, die er auf hohem poetischen Niveau ins Deutsche übertrug. Bei der Komposition der Lieder orientierte er sich oftmals an traditionellen Melodien und gestaltete sie mit großem Geschick in gut singbare und eingängige Choräle um.

Sonor und intonationsrein

Mit seinen Chorälen begründete Martin Luther eine beispiellose kirchenmusikalische Erfolgsgeschichte: Unzählige Komponisten der folgenden Epochen fertigten Sätze, Bearbeitungen oder Neufassungen der Luther-Texte an. Das Ensemble Hamburger Ratsmusik unter Leitung von Simone Eckert sowie die Sänger Veronika Winter, Ina Siedlaczek und Jan Kobow haben fünf Luther-Choräle für die Advents- und Weihnachtszeit ausgewählt und in einer Vielzahl von Vokal- und Instrumentalsätzen eingespielt.

Die Vertonungen – unter anderem von Johann Walter, Michael Praetorius und Thomas Stolzer – stammen aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert. Daraus ergibt sich ein zwar etwas kleinteiliger, aber doch sehr vielfältiger klanglicher Überblick über die Rezeption der Luther-Lieder in der Reformationszeit. Einfache Kantionalsätze wechseln sich mit instrumentalen Bearbeitungen und etwas komplexeren mehrstimmigen Fassungen der Choräle ab. Die drei Vokalsolisten singen die Choräle in der gebotenen Schlichtheit und mit guter Textverständlichkeit. Die Gamben der "Hamburger Ratsmusik" klingen sonor und intonationsrein, sie könnten klanglich allerdings noch etwas präsenter sein.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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