CD-Cover: La Harpe Reine

Alte Musik - Xavier de Maistre: "La Harpe Reine"

Bewertung:

Für seine neue CD hat der Harfen-Virtuose Xavier de Maistre das Label gewechselt (hin zu "Harmonia Mundi") und sich mit dem Alte Musik-Guru William Christie zusammengetan für zwei unbekannte Harfenkonzerte von Jean-Baptiste Krumpholtz und Johann David Hermann.

Beide Komponisten wirkten in Paris respektive Versailles, wo sich zur Zeit von Marie-Antoinette (die Hermann als ihren Musik-Lehrer engagierte) ein regelrechter Harfenboom ereignete. Es gab 200 Harfengeschäfte in Paris, so schreibt Xavier de Maistre im Booklet (heute sind es noch zwei). Womit zusammenhängt, weshalb wir es hier nicht mehr mit Barockmusik, sondern mit Repertoire aus der Epoche der Klassik (oder Frühklassik) zu tun haben. Krumpholtz etwa war Schüler Haydns.

Und so erklärt sich auch die Existenz von Haydns Symphonie Nr. 85 "La Reine" auf diesem Album; es handelt sich umd die vierte von Haydns sechs "Pariser Symphonien", die wiederum von Marie-Antoinette nachweislich geschätzt wurde. Mit ihr haben wir es also bei der titelgebenden "La Harpe Reine" zu tun.

Xavier de Maistre, früher Solo-Harfenist bei den Wiener Philharmonikern, hat sich seit längerem zum Ziel gesetzt, die Harfe von dem Klischee zu befreien, sie sei ein reines Mädchen-Instrument (was immer das heißen mag). Entsprechend maskulin greift er dem Nachbau eines historischen Instruments des 18. Jahrhunderts in die Seiten - respektive Saiten.

Diese sind lockerer verspannt als bei heutigen Intrumenten. Die Saitenabstände sind enger und die Mechanik ist fragiler, so dass man um so mehr bewundert, einen welch 'harten', virilen Ton de Maistre hier erzielt. Zum prallen und knackigen Klangbild von Christies Ensemble "Les Arts Florissants" passt er damit vorzüglich. Christie favorisiert auch für die Haydn-Symphonie ein gepanzertes, gleichsam rüstungs- oder ornathaftes Klangprofil, interpretiert hier also in jenem historischen Kostüm der Barockzeit, wie es Haydn vorfand und kannte.

Als Entdeckung einer ungeahnt entspannten Tonlage beim Solistenkonzert des ausgehenden 18. Jahrhunderts, aber auch als Idealkombination zweier überragender Musiker: eine formidable Sache. Wem zur Baumbeschallung noch etwas fehlt: Hier ist es. 

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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