Michael Korstick plays Alberto Ginastera; Montage: rbb
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Klavier - Alberto Ginastera: Die Klaviermusik

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Der deutsche Pianist Michael Korstick (61) wurde bekannt als Beethoven-Interpret – hat sich aber daneben klüglich immer wieder mit entlegenem Repertoire beschäftigt.

Wodurch wir ihm schon eine Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte von Dmitri Kabalevsky und der Klaviermusik von Charles Koechlin verdanken. Und jetzt eine umfassende Sammlung von Klavierwerken des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera. Dieser wäre im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden (er starb 1982).

Neben seinen frühen (und wenigen späten) Klavierwerken hat Ginastera auch Opern, Konzerte und Kammermusik komponiert. Doch außer der neuerdings recht populär gewordenen Suite "Estancia" und ein Paar von Martha Argerich gespielten Klavier-Tänzen ist sein Werk bei einem größeren Publikum nach wie vor unentdeckt.

Musikalische Verwandtschaften

Ginasteras Œuvre umfasst nur 55 Opus-Zahlen, ist also nur relativ schmal. Anfangs ist seine stilistische Verwandtschaft mit Prokofjew hörbar. Manchmal widmet er Stücke seinem brasilianischen Kollegen Heitor Villa-Lobos oder seinem amerikanischen Aaron Copeland.

Immer jedoch – erst recht nach seiner Emigration in die Schweiz 1971 – beschäftigte er sich mit südamerikanischen Tänzen: mexikanischen Norteñas, kubanischen Criollas oder dem argentinischen Malambo.

Die Strenge dieser genau gearbeiteten kleinen Werke erinnert bisweilen an den Neoklassizismus eines Bohuslav Martinů, noch öfter an das Stoffverständnis Béla Bartoks. Das qualifiziert ihn zu einem ebenso ernstzunehmenden wie zugänglichen und reizvollen Komponisten.

Michael Korstick, der die leichte Folkloristik Ginasteras härtet und die Triftigkeit seiner Kunstwerke unterstreicht, gelingt eine CD von enormem Entdeckungswert. Auch in dem Sinne, als er sich selbst durch Temperamente, die ihm vielleicht nicht von Haus aus selbst eignen, sinnig herausfordert und dadurch in die Lage kommt, sich selbst zu überbieten.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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