Gabriel Garrido: Monteverdi; Montage: rbb
Bild: Accent / Note1

Alte Musik - "Monteverdi"

Bewertung:

Gabriel Garridos Meilenstein der Monteverdi-Interpretation aus den Neunzigerjahren wird dank dieser opulenten 12-CD-Box nun wieder neu hörbar.

Claudio Monteverdi braucht eigentlich kein Jubiläumsjahr. Seine Madrigale, Opern und kirchenmusikalischen Werke sind so populär und präsent, dass sie auch außerhalb von runden Geburts- und Sterbedaten weltweit aufgeführt werden.

Dennoch bringt der 450. Geburtstag von Monteverdi, der im Mai 2017 begangen wird, noch einen zusätzlichen Schub in der Rezeption seiner Werke. Zum einen setzen viele bedeutende Festivals, wie etwa das Bachfest Leipzig oder die Salzburger Festspiele, Programmschwerpunkte mit Monteverdi-Werken in hochkarätiger Besetzung. Zum anderen gibt es in Hülle und Fülle bemerkenswerte CD-Erscheinungen.

Das Label ACCENT hat dabei einen ganz besonderen Akzent gesetzt, indem es die kompletten Monteverdi-Einspielungen von Gabriel Garrido zurück auf den Markt gebracht hat. Der argentinische Musiker hatte zwischen 1996 und 2000 in einem damals vielbeachteten Zyklus die drei großen Opern Monteverdis ("L'Orfeo", "Il ritorno d'Ulisse in patria" und "L'incoronazione di Poppea"), die Marienvesper sowie ausgewählte Madrigale auf Texte von Torquato Tasso aufgenommen und damit für einen Meilenstein der Monteverdi-Interpretation gesorgt.

Enorm lebendige Ausdruckskraft

Auch heute, rund zwei Jahrzehnte später und nach dem Erscheinen vieler Parallelaufnahmen, haben diese Einspielungen nichts an ihrem Referenzstatus verloren. Vom ersten bis zum letzten Ton sind die Werke in Garridos Sichtweise von einer enorm lebendigen Ausdruckskraft geprägt, wofür gleichermaßen das ensemble elyma und die außergewöhnlich homogene Sängerzusammensetzung stehen.

Ein unverkennbares Markenzeichen von Garrido ist die üppige und abwechslungsreiche Besetzung des Basso continuo, was sich vor allem in den rezitativreichen Opern widerspiegelt. Neben Tasteninstrumenten, Gamben und Theorben sind auch Harfe, Gitarre, Lirone und abschnittsweise sogar Melodieinstrumente (meist Violinen) am Continuospiel beteiligt.

Je nach Inhalt des deklamierten Textes und Dramatik der Handlung ändern sich die instrumentalen Kombinationen und präsentieren im Laufe der Opernakte eine faszinierende Vielfalt.

Sensationelle Interpretation

In der Auswahl seiner Gesangssolisten achtete Gabriel Garrido in erster Linie auf warme und klare Stimmen. Geradezu sensationell ist die Interpretation des Orfeo durch Garridos Landsmann Victor Torres. Das ist kein auftrumpfender Held, der hier dargestellt wird, sondern ein nachdenklicher, sensibler Orfeo, dem man wirklich abnimmt, dass er mit seinem Gesang die Mächte der Unterwelt umstimmen kann.

Ebenso großartig singen Furio Zanasi den heimkehrenden Helden Ulisse, Gloria Banditelli die reife, wartende Ehefrau Penelope und Jean-Paul Fouchécourt den ungestümen Sohn Telemaco.

Die Liste der überragenden Sänger ließe sich mit Adriana Fernandez, Maria Cristina Kiehr, Roberta Invernizzi, Guillemette Laurens und vielen anderen noch lang fortsetzen. Auch in kleinsten Details ist die gründliche Vorbereitung und die große Identifikation aller Beteiligten mit den Werken spürbar.

Gabriel Garrido ist mit seinem Monteverdi-Zyklus ein ganz großer Wurf gelungen, was dank dieser opulenten 12-CD-Box nun wieder neu hörbar wird. Auch Neueinspielungen im Jubiläumsjahr werden es schwer haben, den enormen Ausdrucksreichtum der Garrido-Produktionen zu übertreffen.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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mit Bernhard Schrammek
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