Julius Katchen: The Complete Decca Recordings; Montage: rbb

Klavier - Julius Katchen: The Complete Decca Recordings

Bewertung:

Julius Katchen war lange Jahre fast in Vergessenheit geraten. Warum lohnt es sich, diesen Pianisten wieder hochleben zu lassen?

Eine 35-CD-Box, enthaltend das (für die Decca produzierte) Gesamtwerk des amerikanisch-britischen Pianisten Julius Katchen, erinnert nicht nur an einen der prägenden Klavier-Stars der 50er und 60er Jahre, der im Alter von 42 Jahren tragisch früh an Leukämie verstarb.

Katchen war vor allem auch der profilierteste Brahms-Interpret seiner Zeit. Es ist nichts nachgewachsen auf diesem Gebiet, so dass man auch heute aus diesem Mono- und Stereo-Aufnahmen lernen und schwelgen kann in Bezug auf einen inzwischen fast verschwundenen Brahms-Stil, der stark vom Atmosphärischen her operierte, und mit dem zugleich Härte und Melancholie bei diesem Komponisten entdeckt wurden.

Energisches Virtuosentum

Katchen, der den Kampf gegen seine Krankheit einmal lakonisch mit einer Fechtszene in einem Erroll Flynn-Film verglich, vermochte es, den virtuosen Teilen seines Repertoires – Rachmaninoff, Chopin, Prokofiev, Ravel und Gershwin – einen tatsächlich kampfsportartigen Sinn des Sich-Aufbäumens zu verleihen. Sein Virtuosentum, mit anderen Worten, ist weit energischer und weniger zirkushaft als bei allen anderen.

Geboren 1926 in New Jersey, wurde Katchen als Wunderkind von seinen beiden Großeltern unterrichtet, die beide Lehrer an den Konservatorien von Warschau und Moskau gewesen waren. Sein Ton weist darüber hinaus jene samtene Rundung und Kompaktheit auf, die auf amerikanische Einflüsse schließen lassen. Mit Anfang 20 ging Katchen nach Paris, wo er bis zu seinem Tode 1969 lebte (und fast bis ganz zuletzt ungebrochen konzertierte).

Ein herrliches Set

Obwohl er als Sammler-Objekt seit langer Zeit von den Schallplattenfirmen wiederentdeckt worden war, bietet die Box eine Vielzahl von CD-Erstveröffentlichungen oder sehr lange vergriffenen Titeln.

Allein auf Brahms, sein erwähltes Repertoire-Zentrum, entfallen allerdings nicht weniger als 14 CDs. Darunter auch die Klavierkonzerte (unter Pierre Monteux und János Ferencsik) sowie Kammermusik mit Thea King, Ruggiero Ricci, Josef Suk und Janos Starker – Aufnahmen, welche die böhmischen und ungarischen Bezüge sowie die Stimmungs-Dichte bei Brahms deutlicher machen als jede andere Einspielung dieser Werke.

Ein herrliches Set für Vorausschauende! Zu diesem Preis (unter 70 Euro) wird das nicht lange in den Sortimenten bleiben.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

Weitere Rezensionen

Olga Peretyatko: Russian Light; Montage: rbb

Gesang - "Russian Light"

Auf ihrer vierten CD bei der Sony verlässt sich die russische Sopranistin Olga Peretyatko auf das, was sie gewiss gut kann: auf russische Arien und Lieder von Glinka, Rimski, Rachmaninoff, Strawinsky und Schostakowitsch.

Bewertung: