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Solistin - Modest Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung (Klavierfassung)

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Die französische Pianistin Claire Chevallier hat das Werk von Mussorgsky neu eingespielt.

Als Mitglied des sogenannten "Mächtigen Häufleins" strebte Modest Mussorgsky auf musikalischem Gebiet eine russische Nationalkunst an. Das gleiche Ziel in der Malerei vertrat der Künstler Viktor Hartmann, mit dem Mussorgsky gut befreundet war. Als Hartmann 1873 starb, fand in St. Petersburg eine umfangreiche Gedenkausstellung mit seinen Werken statt. Mussorgsky war von den mehr als 400 Gemälden so fasziniert, dass er beschloss, einige der Kunstwerke zu "vertonen". Er wählte zehn Bilder Hartmanns aus, fertigte nach ihren Motiven kurze, charakteristische Klavierstücke an und verband die klingenden Gemälde durch eine "Promenade" zu einer Suitenform: Die "Bilder einer Ausstellung" waren damit geboren.

Die Klavierfassung ist eine Kostbarkeit

Auch wenn das Stück erst durch Maurice Ravels 1922 entstandene Orchestrierung richtig populär wurde, bleibt die Originalfassung für Klavier eine ganz besondere Kostbarkeit in der pianistischen Literatur des späten 19. Jahrhunderts.

Die französische Pianistin Claire Chevallier hat das Werk neu eingespielt und dafür einen Flügel von Jakob Becker genutzt, der 1875 in St. Petersburg gebaut wurde und damit als authentisch für die Aufführungspraxis der Zeit gelten darf. Der Klavierbauer Becker war um 1840 aus Deutschland nach Russland gegangen und hatte sich mit seinen Klavieren und Flügeln im Laufe der Zeit hohes Ansehen erworben. Seine Instrumente wurden von bedeutenden Pianisten gespielt und in viele Länder exportiert.

Ein ganz neues Klangerlebnis

Auf diesem historischen Flügel sind die so bekannten "Bilder einer Ausstellung" ein ganz neues Klangerlebnis, wobei man die Erinnerung an die letzte Orchesteraufführung dieses Werkes möglichst vor dem Hören "löschen" sollte. Insgesamt klingt das Becker-Instrument sehr klar und transparent, aber auch ein wenig trockener als ein herkömmlicher Konzertflügel.

Aus den einzelnen Bildbetrachtungen werden dadurch fast intime Charakterstücke, die von Claire Chevallier fern jedes Pathos‘ vorgetragen werden. Die Wucht, die man in einigen Stücken (etwa "Gnomus", "Baba Yaga" oder "Großes Tor von Kiew") durch die Orchesterfassung gewohnt ist, bleibt gänzlich aus, stattdessen kann man klangschöne Details entdecken: Mittelstimmen werden nicht überdeckt, Bässe schlagen nicht ungebremst zu und Diskantstimmen klingen glockenähnlich rein.

Ganz authentisch

Entzückend gelingen solche Kabinettstückchen wie das "Ballett der Kücklein in den Eierschalen" oder das Bild der spielenden Kinder ("Die Tuilerien").

Ergänzt wird diese Einspielung durch drei kürzere Klavierkompositionen von Mussorgsky, die sich hervorragend in das Klangbild einpassen. – Wer die "Bilder einer Ausstellung" endlich mal ganz authentisch hören möchte, sollte sich diese CD zulegen.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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