Sonya Yoncheva: Händel © Sony/Montage: rbb
Bild: © Sony/Montage: rbb

Gesang - Sonya Yoncheva: "Händel"

Bewertung:

Auf ihrem zweiten Solo-Album (bei Sony) widmet sich die bulgarische Sopranistin (und potentielle Netrebko-Nachfolgerin) Sonya Yoncheva einem Komponisten, den man nicht unbedingt von ihr erwartet hätte: Georg Friedrich Händel.

Fast alle Sopran-Hits des Barock-Opernkomponisten versammeln sich hier. Doch der erdige, unerhört "fleischige" Ton (so Yoncheva über sich selber) ist es, der dieses Album über das Gros sonstiger Händel-Sammlungen turmhoch hinaushebt. Ohne sich im Mindesten zu verstellen, singt Yoncheva Arien der Cleopatra, der Alcina, Rodelinda, Theodora, Agrippina und Almirena ("Rinaldo") beinahe: mit einer Traviata-Stimme. Sehr ungewohnt! William Christie ermunterte die Sängerin einst, sich des slawischen Timbres ihrer Stimme im Barock-Bereich nicht zu schämen: "Genau solch eine Stimme möchte ich hier hören!", sagte er ihr in Bezug auf barocke Werke, mit denen Yoncheva seitdem häufiger reüssiert.

Überzeugend

Sie kann es dank ungetrübter Agilität und rhetorischer Beredsamkeit. Einige Töne mögen etwas zu groß ausgefallen sein. Und angenommen, hier würde nicht Alessandro De Marchi (mit seiner Academia Montis Regalis) begleiten, sondern es würde, sagen wir mal: James Levine den Schneebesen rühren, so wäre das Ergebnis wohl fragwürdiger ausgefallen. So aber ist dies frappante Händel-Portrait von enormem Neuigkeits- und auch Überzeugungswert.

Ein erstaunliches Album

Yoncheva reiht sich mit diesem Album (das weit besser gelungen ist als ihr Debüt "Paris, mon amour"; ein Titel, den sie selber nicht sonderlich mochte) in die Riege großer bulgarischer Sänger ein: von Boris Christoff über Anna Tomowa-Sintow bis zu Krassimira Stoyanova. Alles Riesenstimmen. Dennoch hat man bei Yonchevas Händel-Grenzgang nicht den Eindruck eines verwegenen Gelegenheitsbesuches. Schade, dass eine Sängerin, die in Berlin lebt (sie ist die Ehefrau des ehemaligen Barenboim-Assistenten Domingo Hindoyan, der häufig an der Staatsoper dirigiert), hier bis auf weiteres wohl nicht zu erleben sein wird. (Nach ihrem Durchbruch als "Traviata" unter Barenboim vor etwas über einem Jahr und einer "Onegin"-Serie im vergangenen Dezember an der Deutschen Oper singt sie demnächt in New York, München, Paris, Mailand und Salzburg. In Berlin dürfen wir, nicht unüblich, vermutlich Jahre lang warten.) So muss – und kann – man sich mit diesem erstaunlichen Album trösten.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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