Bologna 1666; Montage: rbb
Bild: deutsche harmonia mundi / SONY

CD-Kritik - "Bologna 1666"

Bewertung:

"La Rossa – la Dotta – la Grassa" ("die Rote – die Gelehrte – die Fette"). Mit diesen drei Attributen wird seit vielen Generationen die Stadt Bologna umschrieben – und das mit vollem Recht!

Sanft schimmern die Rottöne ihrer Fassaden und Dächer, die Bewohner sind stolz auf ihre gelehrte Vergangenheit mit der ältesten europäischen Universität, und natürlich kann man hier die hervorragende emilianische Küche genießen. Aber auch die Musikgeschichte Bolognas birgt etliche Besonderheiten.

Der zentrale Ort des musikalischen Geschehens war seit der Renaissancezeit nicht etwa die Kathedrale als Sitz des Bischofs oder irgendeine Residenz, sondern die Stadtkirche San Petronio an der prächtigen Piazza Maggiore. Hier bildete sich im 17. Jahrhundert eine großartige Instrumentalkultur heraus, die in der Gründung eines eigenen Orchesters kulminierte, das Schule machend wurde.

Zur Förderung dieser hohen Musikkultur wurde 1666 die Accademia Filarmonica gegründet, eine Institution, deren strengen Regeln und Prüfungen sich alle professionellen Musiker der Stadt unterziehen mussten und die weit über Bologna hinaus großes Ansehen genoss.

Unbekannte Größen

Trotz dieses unbestritten hohen musikalischen Niveaus sind die Barockkomponisten aus Bologna heute kaum bekannt. Während Venedig auf Vivaldi verweisen kann, Rom auf Corelli und Neapel auf Scarlatti, fehlt der emilianischen Metropole solch ein prominentes Zugpferd.

Weder Giovanni Paolo Colonna, noch Giacomo Antonio Perti oder Lorenzo Gaetano Zavateri sind heute überregional bekannte Namen, obgleich ihre Werke an Originalität, Frische und Lebendigkeit denen ihrer weltberühmten Zeitgenossen kaum nachstehen.

Bologneser Kompositionen

Das Kammerorchester Basel hat das 350. Gründungsjubiläum der Accademia Filarmonica als Anlass genommen, dieser Bologneser Musikkultur der Barockepoche eine CD zu widmen. Eingespielt wurden Sinfonien und Concerti ausschließlich von Bologneser Komponisten, deren wichtigster Wirkungsort die Basilika San Petronio war.

Besonders interessant sind dabei die älteren, noch im 17. Jahrhundert entstandenen Werke, darunter ein Violinkonzert von Giuseppe Torelli und Sinfonien zu Messen und Oratorien von Giovanni Paolo Colonna und Giacomo Antonio Perti. Spätere Kompositionen (etwa von Giuseppe Matteo Alberti oder Lorenzo Gaetano Zavateri) orientieren sich dann doch sehr stark an den populären Mustern von Corelli und Vivaldi.

Kammerorchester Basel; © Heike Kandalowski
Kammerorchester Basel; © Heike Kandalowski

Beste Spiellaune

Das Kammerorchester Basel präsentiert diese Bologneser Kompositionen in bester Spiellaune mit zupackenden Tempi und schöner Detailarbeit. Julia Schröder bietet die teilweise hochvirtuosen Solopartien der Violinkonzerte souverän, intonationsrein und mit großer Eleganz.

Einziger Nachteil: Diese CD enthält zu viele Stücke für Streichorchester in einem ähnlichen Grundcharakter. Vielleicht wäre ab und zu eine instrumentale Abwechslung mit dem Einsatz einer Oboe oder einer Trompete sinnvoll gewesen.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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