Dmitri Schostakowitsch: Klavierkonzerte Nr. 1 und Nr. 2; Montage: rbb
Bild: Naxos

Orchester - Dmitri Schostakowitsch: Klavierkonzerte Nr. 1 und Nr. 2 | Streichquartett Nr. 8, op. 110

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Weltpremiere: Auf seiner neuen CD spielt der russisch-israelische Pianist Boris Giltburg die beiden Klavierkonzerte von Dmitri Schostakowitsch – und als Weltersteinspielung eine eigene Bearbeitung des Streichquartetts op. 110 für Klavier solo.

1933 hat Dmitri Schostakowitsch sein Klavierkonzert Nr. 1 fertiggestellt. Jugendlich und frech spielt dieses hochvirtuose Konzert mit allem, was die Musikgeschichte zu diesem Zeitpunkt hergibt: vom barocken Kontrapunkt bis hin zur entfesselten Rhythmik des 20. Jahrhunderts. Die Jazzfetzen fliegen, aber auch russische Folklore wird angestimmt, ebenso Theater- und Zirkusmusik.

Und im Schlusssatz hämmert Giltburg mit viel Humor auch mal kurz ein Fragment aus Beethovens "Wut über den verlorenen Groschen" in unsere Ohren – nicht das einzige Zitat in diesem aufgewühlten Werk der Moderne, das aber alles andere ist als eine modische Collage. Tatsächlich zeigt Schostakowitsch hier seine Meisterschaft, aus dem musikalischen Materiallager des frühen 20. Jahrhunderts etwas wirklich Neues zu erschaffen.

Präzise

Boris Giltburg, geboren 1984 in Moskau und damit selbst nicht viel älter als Schostakowitsch zum Zeitpunkt der Uraufführung, spielt das jugendliche Werk mit atemberaubendem Esprit und höchster rhythmischer Präzision. Unterstützt wird er dabei von der Royal Liverpool Philharmonic und Vasily Petrenko, ein Dirigent, der ganz zurecht als Spezialist für modernes russisches Repertoire angesehen wird.

In dieser Kombination gelingt den Musikern auch beim zweiten Klavierkonzert eine hervorragende Einspielung, wobei das Werk vom Temperament her mit dem jüngeren einfach nicht ganz mithalten kann. Schostakowitsch selbst hat das zweite Konzert aus dem Jahr 1957 ein "schwaches Werk" genannt. Hier wird man allerdings an Max Bruch erinnert, der auch nicht verstehen wollte, dass alle Welt sein wunderbares Violinkonzert Nr. 1 den beiden anderen, nach Meinung des Komponisten besseren, Konzerten vorgezogen hat.

Komplex

Die eigentliche Überraschung dieser CD aber ist Boris Giltburgs Bearbeitung des Streichquartetts op. 110 von Dmitri Schostakowitsch. Ein derart komplexes Streichquartett zum Werk für Klavier solo umzuarbeiten, auf diese Idee wird ein Musiker wohl nur dann kommen, wenn er wie Boris Giltburg nach ständiger Horizonterweiterung strebt. Giltburg selbst hat dazu erklärt, es gäbe von Schostakowitsch einfach kein Werk für Klavier solo, dass die Tiefe und Bedeutung seiner Streichquartette erreichen würde.

Tatsächlich wird nun aus dem vielschichtigen Quartett eine expressive Klavierfantasie, mit der Boris Giltburg auch als Bearbeiter seine besondere Stellung unter den Pianisten eindrucksvoll beweist.

Hans Ackermann, kulturradio

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