Duo Praxedis: grand duet; Montage: rbb
Bild: ARS Produktion

Kammermusik - Duo Praxedis: "grand duet"

Bewertung:

Manche Instrumente sind, so scheint es, regelrecht füreinander gemacht, man denke nur an Geige, Bratsche und Cello im Streichquartett. Harfe und Klavier ist dagegen eine, gelinde gesagt, ungewöhnliche Kombination.

Das Schweizer Duo Praxedis tritt damit aber schon seit 1996 erfolgreich auf. Die Bindung der beiden Musikerinnen ist besonders stark, handelt es sich doch um Mutter (Praxedis Hug-Rütti, Harfe) und Tochter (Praxedis Geneviève Hug, Klavier).

Natürlich ist das Repertoire für sie begrenzt, weshalb sie viele Werke arrangieren, die ursprünglich für zwei Klaviere oder Klavier vierhändig geschrieben worden sind. Und sie geben, wie viele prominente Solisten, neue Werke für ihre Instrumentenkombination in Auftrag.

"grand duet", ihre siebte CD, ist anders. Denn sie versammelt ausschließlich Originalkompositionen, die tatsächlich für Harfe und Klavier (oder Cembalo) entstanden sind. Da solche Werke nach der klassischen Periode so gut wie nicht mehr geschrieben wurden, stammen alle Stücke auf dieser CD aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert – von Komponisten, die teilweise parallel zu Mozart und Beethoven gelebt haben, deren Namen uns aber heute fast nichts mehr sagen, wie Johann Baptist Krumpholtz (1742-1790), von dem zwei herrliche Duos für Harfe und Klavier überliefert sind.

Praxedis Geneviève Hug (Klavier) und Praxedis Hug-Rütti (Harfe); Foto: © Nancy Horowitz
Praxedis Geneviève Hug (Klavier) und Praxedis Hug-Rütti (Harfe); © Nancy Horowitz

Verblüffende Klangfülle

Praxedis Hug-Rütti und Praxedis Geneviève Hug sind zwei starke musikalische Charaktere, die aber trotzdem hervorragend miteinander harmonisieren. Das Volkstümliche und das Elegante, es ist beides vorhanden auf dieser Doppel-CD. Hug-Rütti greift stellenweise so kräftig in die Saiten, das man meint, es mit einer Zither zu tun zu haben. Obwohl hier nur zwei Instrumente zum Einsatz kommen, erreichen die Aufnahmen eine verblüffende Klangfülle.

Die Kompositionen sind reizend. Leider fällt ausgerechnet der eine Komponist aus dem Rahmen, dessen Namen wir heute noch kennen: Was Johann Nepomuk Hummel hier in fünf Rondelettos geschrieben hat, plätschert vorhersehbar und weitgehend überraschungsfrei dahin. Das Duo Praxedis spielt aber auch seine Stücke mit der gleichen Leidenschaft, mit der sie sich der aufregenderen Sachen, etwa von Francois-Joseph Dizi und Frédéric Kalkbrenner, annehmen.

So vermitteln alle Aufnahmen auf diesen beiden CDs den Eindruck, dass Mutter und Tochter diese Musik aufrichtig lieben. Was auch im ansprechend gestalteten und informativen Booklet zum Ausdruck kommt.

Udo Badelt, kulturradio

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