La Gioia; Montage: rbb
Bild: Note1

CD-Kritik - "La Gioia"

Bewertung:

Die spanische Geigerin Lisa Tur Bonet hat Arcangelo Corellis zwölf Violinsonaten op. 5 mit ihrem Ensemble Musica Alchemica aufgenommen – und setzt dabei etliche neue Akzente.

Er war ein Phänomen: Mit gerade einmal 72 Kompositionen in sechs gedruckten Sammlungen erlangte Arcangelo Corelli in Italien und ganz Europa eine enorme Popularität. Er wurde von Musikern und Publikum verehrt und vielfach stilistisch nachgeahmt.

Corellis kompositorisches Verdienst lag vorrangig in der Schaffung einer einheitlichen Form der Instrumentalsonate, die zahlreichen späteren Komponisten als Vorbild diente. Dabei machte er sich ganz selbstverständlich die Vorarbeiten bedeutender italienischer Komponisten des 17. Jahrhunderts zunutze.

Zugleich verstand Corelli perfekt die Kunst der Selbstdarstellung. Als virtuoser Geiger trat er in Rom an den Höfen der mächtigsten Adelsfamilien auf, setzte rigoros seine künstlerischen Vorstellungen durch und wählte sorgfältig die Widmungsträger seiner Notendrucke aus.

Ziel erreicht

Termingenau zum 1. Januar 1700 veröffentlichte er seine Violinsonaten op. 5 und eignete sie der musikliebenden preußischen Kurfürstin (und späteren Königin) Sophie Charlotte zu. Diese Sammlung mit zwölf Sonaten für Violine und Cembalo gilt als das "geigerische Vermächtnis" Corellis. Hinsichtlich der Form und Satzfolge, der Spielweisen, der kontrapunktischen Entwicklungen und der Verzierungen befanden sich die Stücke auf dem modernsten Stand.

Corelli verzichtete hingegen auf übermäßige Virtuosität und technische Höchstanforderungen – schließlich sollte sich die Sammlung gut verkaufen. Dieses Ziel ging auf, zumal Corelli die Sonaten im Selbstverlag herstellte und sich damit sämtliche Einnahmen sicherte. Schon zu Lebzeiten erschienen in ganz Europa zahlreiche Nachdrucke und Bearbeitungen, auch in den Jahrzehnten danach riss die Flut der Bewunderer und Nachahmer nicht ab.

Leicht und locker

Die spanische Geigerin Lisa Tur Bonet hat die zwölf Violinsonaten op. 5 nun mit ihrem Ensemble Musica Alchemica aufgenommen und setzt dabei etliche neue Akzente. Zunächst fällt auf, wie genau sie die einzelnen Stücke durchgearbeitet hat. Bestens sind unterschiedliche Tempi und Ausdruckssphären aufeinander abgestimmt.

Großen Wert legt sie dabei auf die Verzierungen, deren überwiegenden Teil sie selbst ausgearbeitet hat. Nur in einigen Sätzen beruft sie sich ganz bewusst auf frühere Ausgaben, in denen die Verzierungen ausgeschrieben wurden (z. B. von Francesco Geminiani oder Johan Helmich Roman). Virtuose Passagen, die in den Sonaten regelmäßig erscheinen, machen Lisa Tur Bonet anscheinend überhaupt keine Mühe, alles klingt leicht und locker.

Abwechslungsreiche Besetzung

Das größte Plus dieser Aufnahme liegt jedoch in der außerordentlich großen und abwechslungsreichen Besetzung des Continuos. Summa summarum wirken sieben Musiker auf neun verschiedenen Instrumenten in munterem Wechsel an der Ausgestaltung der Bassstimme mit. Das Spektrum reicht von Cembalo und Orgel über Cello und Violone bis hin zur Theorbe, Barockgitarre und Harfe.

Jede Sonate weist eine andere Besetzung auf, und auch satzweise wird zuweilen noch differenziert. Es ergeben sich beispielsweise so kräftige Kombinationen wie Cembalo, Cello, Gitarre, Laute und Violone (Sonate 5) oder aber das zarte Zusammenspiel nur von Cello und Harfe (Sonate 10).

Selten hat man beim Hören der Violinsonaten von Corelli eine solche Abwechslung erfahren.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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