Leontyne Price: Prima Donna Assoluta; Foto: RCA / SONY
Bild: RCA / SONY

Oper - Leontyne Price: "Prima donna assoluta"

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Zum 90. Geburtstag der amerikanischen Jahrhundertsopranistin Leontyne Price hat die RCA die zehn wichtigsten Gesamtaufnahmen der Sängerin in einer 22 CD-Box wiederaufgelegt, soweit diese von den frühen Sechziger- bis frühen Siebzigerjahren bei der RCA Victor erschienen waren: 5x Verdi, 3x Puccini, 1x Bizet und 1x Mozart.

Es handelt sich um jene Aufnahmen aus dem – wie Jürgen Kesting im Booklet schreibt – "ersten großen Jahrzehnt der Laufbahn" dieser Sängerin, als sie sich in absoluter Bestform befand.

Enthalten sind alle großen Rollen, darunter beide Verdi-Leonoren ("Forza", "Trovatore"), "Aida" und die berühmte "Ernani"-Gesamtaufnahme unter Thomas Schippers. Es fehlen vor allem die Karajan-"Tosca" und das Verdi-Requiem, die bei anderen Labels erschienen waren.

Herbert von Karajan und Leontyne Price; Foto: © Georg Schikola, Wien
Herbert von Karajan und Leontyne Price; © Georg Schikola | Bild: RCA / SONY

Besonders verbunden war die Karriere von Leontyne Price mit Herbert von Karajan, dem sie 1955 in der Carnegie Hall vorgesungen hatte. Er verpflichtete sie in großem Stil nach Wien, Salzburg, Mailand und auch Berlin. Hier war sie später auch die Protagonistin der einzigen szenischen Produktion, die Karajan an der Deutschen Oper Berlin betreute (als Dirigent und Regisseur des "Trovatore")

In Berlin debütiert hatte Price indes schon 1952 bei einem Gastspiel von "Porgy an Bess" im Titania-Palast.

Leontyne Price besaß einen ausladenden, dunkel timbrierten Sopran von enormer Größe. Eine schwere, aber nicht schwergängige Stimme mit einigem Bedrohungspotential, wodurch sie die tragischen Aspekte auch einer Carmen zeigen konnte, während sie sich bei Mozart ebenso licht und leicht machen konnte.

Mit derlei Fähigkeiten avancierte sie rasch zur amerikanischen Primadonna schlechthin: zu einer Sängerin, der in den USA ikonenhafter Rang zukommt. Sie lebt heute in New York, wo sie 2001 aus Anlass eines Gedenkkonzertes für die Ereignisse von 9/11 letztmalig auf die Bühne zurückkehrte.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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