Nabil & Karim Shehata: Werke für Kontrabass und Klavier; Montage: rbb
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Kammermusik - Nabil & Karim Shehata: Werke für Kontrabass und Klavier

Bewertung:

Auf seiner ersten Solo-CD – gemeinsam mit seinem älteren Bruder Karim Shehata – präsentiert der ehemalige Solo-Kontrabassist der Berliner Philiharmoniker sozusagen "kleine Klassiker" seines Instruments.

Die Kontrabassisten kennen die Werkchen von Reinhold Glière und Serge Koussevitzky gewiss alle. Der Rest der Welt bekommt langsam etwas vom postromantischen Reiz mit, der sich auch in den Eigenbearbeitungen der 1. Cello-Sonate von Brahms und des "Kol Nidrei" von Max Bruch zeigt.

Spezifische Spielweise

Shehata, der 2008 die Philharmoniker zugunsten einer Professur in München wieder verließ und inzwischen Chefdirigent der Münchner Kammeroper ist, pflegt einen substanzreichen, warmen und wohlig-hummeligen Ton von großer Beweglichkeit und Toneminenz. Er macht es anders als sein Kollege von den Wiener Philharmonikern, Ödön Racz, der mit einem Vertrag bei der Deutschen Grammophon gegenwärtig ebenso auf das Potential seines Instruments aufmerksam machen will.

Während Racz sich tonlich klein, hell und zierlich macht (und am ephemeren Repertoire der Werke von Vanhall, Bottesini und Dittersdorf eher auf Sand aufläuft), setzt Shehata auf jenen eher "großen Ton", wie er der Tradition etwa der Berliner Philharmoniker durchaus entspricht. Und kann den hier versammelten Scherzi, Tarantellen, Intermezzi und Walzern so Triftigkeit verleihen.

Gast in Berlin

Eine schöne "Orchideen-CD" also, die uns auf den (längst angestoßenen) Emanzipationsprozess des Kontrabass' hinweist. Gelegentlich ist Shehata noch mit dem West Eastern Divan Orchestra oder als Aushilfe bei den Philharmonikern nach Berlin zurückgekehrt. Am 9. und 13. März 2017 spielt er – im Rahmen von Konzerten mit Lisa Batiashvili und Daniel Barenboim – im neu eröffneten Pierre Boulez Saal.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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