Aida Garifullina; Montage: rbb
Bild: DECCA / Universal

Oper - "Aida Garifullina"

Bewertung:

Möglicherweise will man Aida Garifullina zu einer "neuen Anna Netrebko" aufbauen. Sind diese Hoffnungen berechtigt?

Die tartarische Sopranistin Aida Garifullina (29) bietet auf ihrem (nach ihr selbst benannten) Debüt-Album eine technisch ausgeglichene, slawisch leicht funkelnde, körperreiche Stimme samt eines, wenn man so sagen kann: dunklen Hinterzimmers. Die helle Strahlkraft ihres lyrischen Soprans ist dunkel unterlegt. Textlich passiert leider gar nichts, die Worte scheinen wie ausgewaschen oder wie abgewetzt von jenem edlen Marmor, aus dem sie einst herausgemeißelt worden sind.

Eine schöne Stimme, kein Zweifel, die jedoch die Arie der Juliette von Gounod als Bravourstück ohne jeden tieferen Sinn präsentiert. Nach einem zweiten Virtuositätsbeweis (mit der "Glöckchen-Arie" aus "Lakmé") zieht sie sich rasch ins – meist unbekannte – Repertoire ihrer russischen Heimat zurück.

Wobei auffällt, dass sie die Tempi meist verschleppt. Für Rachmaninows "Vocalise", ehrlich gesagt: ziemlich kitschig gesungen, braucht sie zwei Minuten länger als Rachmaninow selbst. Cornelius Meister am Pult des ORF Radio-Symphonieorchesters bleibt wenig als sich den langsamen Tempi der Solistin anzupassen.

Aida Garifullina; Foto: © Simon Fowler
Aida Garifullina; © Simon Fowler

Bizarrer Imagewechsel

Wer Szenenfotos der Sängerin (als Adina, Norina oder in ähnlichen leichten Rollen, die sie gegenwärtig singt) mit dem Cover dieser CD vergleicht, wird einen bizarren Imagewechsel erkennen. Während die Sängerin auf der Bühne einen naiven Charme unverstellter Jugend ausstrahlt, ist sie zu PR-Zwecken als Diva mit schlangenhafter Körperwindung und hochgeschminkten Wangenknochen herausgeputzt.

Hohe Erwartungen

Auf Aida Garifullina, so hört man, will die Decca in den kommenden Jahren einige Aufmerksamkeit verwenden – wobei einem unwillkürlich die Hysterieformel von der "neuen Netrebko" in den Sinn kommt. Diese ist hier nun offenbar voreilig.

Wäre dies Album, auf dem sich einige Preziosen aus Opern wie "Sadko", "Der goldene Hahn" und "Snegourotschka" befinden, auf einem kleineren Label erschienen, so hätte es für Aufsehen gesorgt. Im Rampenlicht eines Bühnen-Verfolgers wird es zu früh den hohen Erwartungen einer Opern-Weltöffentlichkeit ausgesetzt. Wir erinnern uns an die Vielzahl von Sopranistinnen, die bei der Decca schon durchgewunken wurden: von Aleksandra Kurzak über Pumeza Matshikiza bis zu Danielle de Niese und Nicole Cabell. Alles Sängerinnen, die inzwischen anscheinend wieder fallen gelassen wurden.

Auf der CD-Rückseite steht der Satz von Placido Domingo: "One of the most exciting opera divas of today and tomorrow." Diven-Rollen – außer höchstens Musetta oder Gilda – hat Aida Garifullina bislang noch überhaupt nicht gesungen. Gemach!

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

Weitere Rezensionen

Rossini: Sigismondo
Naxos, Montage: rbb

Oper - Gioachino Rossini: "Sigismondo" und "Adelaide di Borgogna"

Jedes Jahr im Juli findet im Schwarzwaldstädchen Bad Wildbad ein Rossini-Opern-Festival statt, und viele der Aufführungen landen später auf der CD. Jetzt sind gleich zwei Rossini-Opern aus Bad Wildbad kurz hintereinander bei Naxos erschienen, sehr selten gespielte, nämlich Sigismondo (1814) und Adelaide di Borgogna (1817).

Bewertung:
Georg Friedrich Händel: "Ottone"
Decca

Oper - Georg Friedrich Händel: "Ottone"

Noch gar nicht so lange ist es her, da ist der Decca mit Händels unbekannter Oper "Arminio" einen Überraschungserfolg gelungen. Jetzt, ein Jahr später, legt sie nach mit einer weiteren Händel-Entdeckung, Ottone. Wieder mit dabei: Countertenor Max Emanuel Cencic und Dirigent George Petrou.

Bewertung:
Karl Böhm: The Early Years © Warner Classics | Montage: rbb
Warner Classics | Montage: rbb

Orchester - "Karl Böhm: The Early Years"

In einer Box mit 19 CDs hat die Warner erstmals alle frühen Aufnahmen des österreichischen Dirigenten Karl Böhm gesammelt vorgelegt. Ist es dieser Dirigent überhaupt noch wert, erinnert zu werden?

Bewertung: