Ludwig van Beethoven, Franz Alexander Pössinger: Violinkonzerte; Montage: rbb
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Orchester - Ludwig van Beethoven: Violinkonzert D-Dur op. 61

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Kaum zu glauben: Ein so viel gespieltes Werk wie das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven bietet noch etwas Neues! Anton Steck hat es eingespielt – und dabei nicht den Erstdruck, sondern die Originalhandschrift Beethovens als Grundlage genutzt.

Das Violinkonzert D-Dur op. 61 von Ludwig van Beethoven zählt heute zu den populärsten und meistgespielten Werken der Klassik. Es gibt im Grunde keinen Violinisten, der dieses Werk nicht im Repertoire hat. Und die CD-Einspielungen sind kaum mehr zu überblicken.

Nun hat der Geiger und Alte-Musik-Experte Anton Steck gemeinsam mit dem Orchester L'arpa festante unter Leitung von Matthew Halls eine Neuaufnahme vorgelegt, die auch im Kontext der vielen Vorgängereinspielungen aufhorchen lässt.

Musiziert wird zum einen auf dem Instrumentarium der Wiener Klassik, und zum anderen diente nicht der Erstdruck, sondern der Autograph Beethovens als Basis der Aufführung. Um es vorwegzunehmen: Hörbar ist vor allem Ersteres, und das ist gleichermaßen das Verdienst von Anton Steck und L'arpa festante.

Der besondere historische Klang

Das Orchester spielt enorm engagiert und trumpft mit einem sehr durchsichtigen Originalklang auf, der in seinen Facetten immer wieder fasziniert. Die Paukenschläge gleich am Anfang klingen geheimnisvoll, fast unheimlich. Die Holzbläser agieren mit lyrischer Eleganz, die Streicher changieren zwischen markigen und federnd leichten Klängen, die Naturhörner geben den nötigen harmonischen Halt, die Trompeten schmettern.

Oftmals ist es ein einzelnes Orchesterinstrument – mal Horn, mal Fagott, mal Flöte –, dessen Stimme man plötzlich durch den besonderen historischen Klang viel bewusster wahrnimmt, gerade auch in der Mischung mit der Solo-Violine. Diesen Part spielt Anton Steck mit einer sehr gut portionierten Mischung aus Virtuosität und Eleganz. Seine Violine, ein Instrument von 1701, ist enorm obertonreich, durch die Darmbesaitung immer sehr mild und wohlklingend, aber dennoch zu rasanten geigerischen Passagen befähigt.

Anton Steck; © www.antonsteck.de
© www.antonsteck.de

Die Solostimme aus dem Autograph

Für die Darbietung des Soloparts hat sich Anton Steck intensiv mit den musikalischen Quellen des berühmten Konzerts befasst. Maßgebend für heutige Aufführungen sind im Normalfall die beiden von Beethoven autorisierten Erstdrucke von 1808 bzw. 1810. Diese Veröffentlichungen unterscheiden sich jedoch in der Gestaltung des Soloparts vom Autograph Beethovens, der an vielen Stellen mehrere Lesarten liefert.

Anton Steck hat sich dafür entschieden, die Solostimme aus dem Autograph zur Grundlage seiner Aufnahme zu machen. Allerdings muss man schon sehr genau hinhören und möglichst auch eine vergleichende Partitur mitlesen, um die Unterschiede wirklich wahrzunehmen: mal ist es ein anderer Melodieschlenker, mal eine etwas virtuosere Ausformung, mal ein zusätzlicher Übergang.

Mit violinistischer Vollkommenheit

Die eigentliche Sensation an der Gestaltung des Soloparts aber sind die drei großen Kadenzen, die am Ende des 1. und 3. Satzes sowie zwischen 2. und 3. Satz vorgesehen sind. Hierfür sind keine originalen Noten von Beethoven überliefert, ganz offensichtlich war es zur Entstehungszeit des Konzerts üblich, dass der jeweilige Solist eine eigene Kadenz vorbereitete oder sogar improvisierte.

Genau das macht jetzt auch Anton Steck und präsentiert seine Kadenz-Versionen. Sie sind jeweils recht umfangreich, entfernen sich nicht vom Stil der Beethoven-Zeit und beziehen auch das thematische Material des Satzes ein – und sind doch ganz eigene Beiträge, die Anton Steck mit violinistischer Vollkommenheit vorträgt.

Eine galante Zugabe

Ergänzt wird diese wirklich außergewöhnliche Darbietung des Beethoven-Violinkonzerts durch die Präsentation des Violinkonzerts G-Dur von Franz Alexander Pössinger, eines Zeitgenossen Beethovens. Nach dem schweren, anspruchsvollen Beethoven erscheint dieses Stück wie eine leichte, galante Zugabe. Das Orchester ist kleiner besetzt, der Solist darf brillieren und die Dimensionen sind wesentlich kleiner.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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