Jean Rondeau: Dynastie – Bach Concertos; Montage: rbb
Bild: Warner Classics

Cembalo - Dynastie: "Bach Concertos"

Bewertung:

Wenn ein Cembalist Jean Rondeau heißt, denkt man zunächst an einen Künstlernamen. Dem ist nicht so, aber natürlich ist dieser Name geschäftsfördernd, wenn man jung ist und sich auf dem Sprung zur Weltkarriere befindet – und Jean Rondeau ist ja erst 26 Jahre alt.

In seiner Heimatstadt Paris hat er am Conservatoire studiert, in London an der renommierten Guildhall School of Music. Vor dem Studium hatte er bereits zehn Jahre Cembalo gespielt. Und - das ist in seiner Musikergeneration durchaus üblich, von Anfang an, also ohne Umweg über das Klavier.

Diese Souveränität auf dem Cembalo, von Kindesbeinen an, hört man auf der neuen CD mit Konzerten für Cembalo von Johann Sebastian Bach und seinen Söhnen Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel und Johann Christian. Jean Rondeau hat für diese Produktion eine Reihe befreundeter Musiker aus der Barockszene verpflichtet – und die nennen sich dann passenderweise Dynastie.

Jean Rondeau; © Baghir
Jean Rondeau; © Baghir | Bild: Warner Classics

Zupackend und kraftvoll

Auf der Titelseite ist Jean Rondeau im Profil abgebildet, mit langen Haaren und einem üppig sprießenden Bart. Wenn man die CD-Hülle aufklappt, dann steht man im Wald – auf beiden Innenseiten des Booklets ist ein Wald abgebildet. Der Künstler lehnt sich – im hellblauen Jeanshemd, das er über der Hose trägt – in diesem Wald an einen Baum. Ein Hipster als Holzfäller oder ein Holzfäller als Hipster?

Zum Glück spielt Jean Rondeau nicht wie ein Holzfäller. Aber er spielt unglaublich zupackend und kraftvoll. Und der Hipster in ihm zügelt diese zupackende Herangehensweise, damit sie nicht brachial wird wie bei einem Holzfäller.

Rondeau spielt großartig akzentuiert, mit einer unglaublichen Energie. Auch in den langsamen Sätzen spürt man diese Kraft, jeder Ton sitzt. Und man merkt, dass er hier mit Freunden zu Gange ist. Die Musiker spielen sich gekonnt die Bälle zu. Aber Jean Rondeau hat die Fäden in der Hand, wie einst Vater Bach selbst, wenn er vom Cembalo aus leitete.

Zu präsent

Einen Kritikpunkt habe ich allerdings: Das Cembalo ist in diesen Aufnahmen sehr, sehr präsent. An einigen Stellen überdeckt es sogar alle anderen Instrumente. Womöglich ist das der Vermarktungsstrategie des Labels Erato bzw. Warner Classics geschuldet, die Jean Rondeau als "Star" in Szene setzen wollen. Das hat er jedoch, so großartig wie er spielt, absolut nicht nötig!

Wenn es also eine Anweisung an den Tonmeister war, die Musik so aufzunehmen, dann erweist die Plattenfirma dem Cembalisten damit keinen Gefallen. Mich würde tatsächlich interessieren, ob er bei Live-Auftritten mit dem Ensemble Dynastie ebenfalls so hervorsticht. Ich glaube: eher nicht.

Claus Fischer, kulturradio

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