Immortal Dinu Lipatti; Montage: rbb
Bild: Warner Classics

Klavier - "Immortal Dinu Lipatti"

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Zum 100. Geburtstag des Jahrhundert-Pianisten Dinu Lipatti (1917-1950) hat sich die Warner nicht eben mit Ruhm bekleckert.

Man hat nur drei der sieben bekannten Lipatti-CDs neu verpackt, um sie als "Immortal Dinu Lipatti" zu verkaufen. Und das, obwohl es durchaus Live-Mitschnitte aus Zürich, Genf, Paris und anderen Orten gibt, die vernünftig zu edieren sich gelohnt hätte. Noch viel mehr gilt dies für entlegene Aufnahmen aus der Bukarester Heimat des Pianisten (zumeist Enescu), die man daselbst durchaus finden kann.

Zielgerichtet und unsentimental

Am Grund zum Feiern dieses gloriosen Pianisten ändert das nichts! Lipatti verfügte über einen perlmutt schimmernden, dunkel beschlagenen Ton von untergründiger Leuchtkraft. Sein Ton war auf singuläre Weise singend und "beseelt" – eine Eigenschaft, die er durch eine enorm verfeinerte Motorik, durch rhythmische Geschliffenheit und Dünnhäutigkeit zu konterkarieren verstand.

Das Spiel Lipattis blieb, mit anderen Worten, stets äußerst zielgerichtet und unsentimental, verband dies aber mit einem Anschlag, der einem die Tränen in die Augen trieb.

Ohne Nachfolger

1947 war bei ihm ein Hodgkin-Lymphom diagnostiziert worden, das ihn dann auch zwang, sein letztes Recital am 16. September 1950 in Besançon kurz vor Schluss abzubrechen. Man merkt zuvor nichts vom Schwächeanfall. Elf Wochen später starb Lipatti, der gern für einen Engel in Pianistengestalt gehalten wurde und bei dem mit divinatorischen Superlativ-Metaphern nicht gespart wurde. Zu Recht!

Seine bestürzende Sensibilität, verbunden mit Rasanz, hat keinen Nachfolger gefunden. Dabei ist bei Lipatti, wenn auch keine Schule, so doch eine landestypische Eigentümlichkeit durchaus festzustellen. Mit der (gleichfalls rumänischen) Clara Haskil etwa verband ihn derselbe fleingliedrige, doch aplombhafte Zugriff. Und auch dieselbe Vorliebe für Chopin, Mozart, Schumann, Bach und Scarlatti.

Überwältigendes Œuvre

In "Immortal Dinu Lipatti" ist neben den legendären Karajan-Aufnahmen (Schumann-Konzert und Mozart-Konzert Nr. 21), dem Recital mit Chopins 3. Sonate, Brahms und Enescu auch das berühmte "Letzte Recital" aus Besancon enthalten – mit Bachs Partita Nr. 1 und den 13 Chopin-Walzern.

Verzichtet hat man dagegen auf die Studioaufnahmen der beiden letztgenannten Zyklen, auf das Grieg-Konzert und jenes berühmte Studio-Recital, auf der Bach-Choral "Jesus bleibet meine Freude" enthalten ist, womit Lipatti die wohl größte Berühmtheit erlangte. Das Œuvre Lipattis ist aber so klein, und so überwältigend, dass man eigentlich alles von ihm braucht.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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