La Storia di Orfeo; Montage: rbb
Bild: Erato / Warner Classics

Oper - "La Storia di Orfeo"

Bewertung:

Der Mythos um den antiken Sänger Orpheus hat viele Menschen in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder tief berührt. Auszüge aus gleich drei Orpheus-Opern enthält die neue CD des französischen Countertenors Philippe Jaroussky – der natürlich höchstselbst in die Titelrolle schlüpft.

Mit seinem Gesang und seinem Harfenspiel besänftigt Orpheus die Mächte der Unterwelt und erreicht etwas faktisch Unmögliches: Seine geliebte Frau Eurydike, die durch einen Schlangenbiss gestorben war, wird ihm zurückgegeben.

Allerdings stellt Pluto, der Herrscher über den Hades, eine Bedingung: Orpheus darf sich auf dem Weg zurück in die Welt der Menschen nicht nach seiner Frau umwenden. Daran jedoch scheitert Orpheus und kehrt doch mit leeren Händen zurück.

Mit den Mitteln der barocken Musiksprache

In der Frühzeit der Oper diente der Orpheus-Mythos besonders häufig als Basis für Bühnenhandlungen, ist er doch eine wunderbare Parabel auf die übermenschliche Kraft der Musik.

Philippe Jaroussky hat auf seiner neuesten CD unter dem Titel "La Storia di Orfeo" drei frühe "Orfeo"-Vertonungen aus dem 17. Jahrhundert ausgewählt und zu einem sehr anrührenden Pasticcio zusammengestellt.

Zu etwa gleichen Anteilen sind Auszüge aus den "Orfeo"-Opern von Claudio Monteverdi (Mantua 1607), Luigi Rossi (Paris 1647) und Antonio Sartorio (Venedig 1672) zu hören. In allen drei Opern wird mit den affektreichen Mitteln der barocken Musiksprache das große Gefühlsspektrum des Protagonisten zwischen Freude, Liebe, Schmerz und Verzweiflung dargestellt.

Philippe Jaroussky im Haus des Rundfunks; Foto: © Carsten Kampf
Philippe Jaroussky bei einem Besuch im kulturradio; © Carsten Kampf

Präsent und unverwechselbar

In allen drei Versionen singt Philippe Jaroussky die Rolle des Orfeo. Es ist nach wie vor ein großer Genuss, seiner klaren, ungemein intonationsreinen und zugleich so flexiblen Stimme zuzuhören. Man nimmt ihm sofort den verzweifelten Liebenden oder auch den überschäumend Glücklichen ab. Seine Stimme ist ungemein präsent und unverwechselbar. Momentan gibt es im Countertenor-Bereich nur sehr wenige Sänger, die dieses hohe Niveau erreichen.

Mit der ungarischen Sängerin Emöke Baráth (als Euridice) hat Jaroussky in dieser Aufnahme eine ebenbürtige Gesangspartnerin erhalten. Die junge Sopranistin ist ebenfalls an der Barockmusik geschult und singt mit einer wunderbar reinen und vollen Stimme.

Die Barrocchisti unter Leitung von Diego Fasolis machen ihre Sache als begleitendes Orchester sehr gut. Es glitzert und glänzt in allen Farben, wenn dieses ziemlich üppig besetzte Ensemble loslegt. Für den Chor allerdings hätte man vielleicht auf ein kleineres, schlankeres Spezialensemble für Alte Musik zurückgreifen sollen. Der Coro della Radiotelevisione svizzera singt zwar professionell und intonationsrein, aber doch ein wenig zu gewaltig.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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