Tafelmusik Dresdner Hof; Montage: rbb
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Alte Musik - "Tafelmusik am Dresdner Hof"

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Tafelmusik - ein beliebtes Genre. Alle adligen Herrschaften haben bekanntlich gerne und viel gespeist.

Mahlzeiten dienten auch der Repräsentation, das war an allen Fürstenhöfen Europas so in der Zeit des Barock. Und so wurde auch entsprechend viel Musik für die Tafel komponiert. Bekannt ist ja die Sammlung von Georg Philipp Telemann oder auch die Stücke die Michel-Richard Delalande für den Sonnenkönig Ludwig XIV komponiert hat. Aber auf diesem Feld gibt es noch viel Vergessenes zu entdecken. Und mit einer solchen Ausgrabung haben wir es hier zu tun. Das Ensemble "Fürsten-Musik" aus Dresden spielt auf dieser CD eine Reihe von Werken, die für die Tafel der Sächsischen Kurfürsten geschrieben wurden: Sonaten von Johann Wilhelm Furchheim - die meisten sind Weltersteinspielungen.

Furchheims Werdegang

Über Furchheims Herkunft wissen wir so gut wie nichts, außer, dass er wohl Sachse war. Es gibt im sächsischen Erzgebirge einen Ort namens Forchheim, das könnte eine Spur sein. Furchheims musikalisches Talent hat man auf jeden Fall sehr früh festgestellt, er kam als Knabe bereits in die Sächsische Hofkapelle, die von einer damals schon lebenden Legende geleitet wurde: Heinrich Schütz. Aber es gab neben Schütz auch u.a. noch den Italiener Vincenzo Albrici, Vizekapellmeister, und der dürfte den jungen Furchheim in Bezug auf die Geige geprägt haben.

Furchheim wurde dann bald "Oberinstrumentalist" bei Hofe, später auch Konzertmeister. Und da gehörte die Beschallung der kurfürstlichen Tafel zu seinen Aufgaben.  Die so entstandenen Kompositionen gab er als Zyklus im Druck heraus unter dem, wie ich finde, sehr schönen Titel "Musicalische Taffel-Bedienung". Es ist anzunehmen, dass er damit auch Abnehmer im Dresdner und auch Leipziger Adel und beim Bürgertum fand, die dem Kurfürsten nacheifern wollten.

Vielfältige Stilmittel

Fuchheims Sonaten waren mehr als nur "Klang-Kulisse". Sie sind hervorragende Unterhaltungsmusik. Man kann vermuten, dass Johann Wilhelm Furchheim womöglich Kontakte nach Böhmen und Österreich hatte. Denn das zeigt sein virtuoses Violinspiel, vdas die Zeitgenossen auch gerühmt haben. Und wenn man die Geigenpartien in der "Taffel-Bedienung" betrachtet, dann fällt schon eine Verwandtschaft mit dem Stil des damals führenden Geigers in Europa auf, mit dem Salzburger Heinrich Ignaz Franz Biber.

Beeindruckend ist auch die Vielfalt der Stilmittel, die Furchheim einsetzt. Es gibt große einsätzige Sonaten darunter, aber auch Suiten, die, wie damals üblich aus Tanzsätzen bestehen in damals üblicher Reihenfolge Allemande - Courante - Sarabande - Gigue. Daraus lässt sich schließen, dass zwischen den Gängen beim kurfürstlichen Menü wohl auch getanzt wurde.

Kulinarisch-musikalisch perfekt

"Fürsten-Musik" ist das "Haus-Ensemble" der Barockgeigerin Anne Schumann aus Dresden. Sie spielt in weltbekannten Barock-Ensembles mit, etwa bei den "Musiciens de Louvre" unter Marc Minkowski oder bei John Eliot Gardiner. Bis Anfang der 1990er Jahrs im Leipziger Gewandhausorchester, hat aber dann - auch befördert durch die Wende - eine Begeisterung für die Alte Musik entwickelt, die man absolut in diesen Aufnahmen hört.

Im Ensemble Fürsten-Musik hat sie geniale Musikerkollegen zusammengebracht, die auch als Solisten erfolgreich sind, etwa den Cembalisten Sebastian Knebel oder den großartigen jungen Barock-Cellisten Felix Görg, eine Spitzenbesetzung, die sich, hat man den Eindruck, sich auch gegenseitig motiviert, sich gekonnt die Bälle zuspielt. Und mit dem Tenor Tobias Hunger ist auch noch ein herausragender Oratoriensänger dabei. Er stellt sozusagen das i-Tüpfelchen dar. Denn Anne Schumann war bei der Konzeption klar, dass zwischen den Furchheim-Sonaten durchaus noch ein anderes Genre guttut. Und da stieß sie auf Adam Krieger, der ebenfalls in der Dresdner Hofkapelle tätig und mit Furchheim befreundet war.

Adam Krieger gilt als der Vater der Deutschen Barockliedes, hat wunderbare Arien komponiert, die sich um alles drehen, was dem barocken Menschen Freude machte: Liebe, Leidenschaft und Wein. Man kann getrost vermuten, dass diese heiteren Lieder auch bei der Tafel gesungen wurden. Sie bilden die perfekte Abrundung des kulinarisch-musikalischen Erlebnisses!

Claus Fischer, kulturradio

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