The Art of Grace Bumbry; Montage: rbb
Bild: Deutsche Grammophon

Gesang - "The Art of Grace Bumbry"

Bewertung:

Zum 80. Geburtstag der Mezzo-Sopranistin und Sopranistin Grace Bumbry hat die Deutsche Grammophon die wichtigsten Recitals der Sängerin wiederveröffentlicht.

Mit in dieser Box: zwei frühe, entlegene Oratorien-Gesamtaufnahmen von Händel ("Judas Maccabaeus", "Israel in Egypt") sowie ein berühmter "Carmen"-Mittschnitt unter Herbert von Karajan (auf DVD). Man begegnet – in ihrer besten Zeit – der legendären "schwarzen Venus" (Bayreuth 1962) und der überhaupt ersten Mezzo-Sopranistin mit Primadonnenstatus.

So nie wieder

In Grace Bumbry emanzipierte sich der Mezzo-Sopran erstmals von der Rolle, immer nur die "Seconda donna" zu spielen. Bumbry war sich selbst Diva genug, egal ob sie nun Eboli, Amneris, Carmen oder später auch Salome sang (letztere hier nicht enthalten).

Den Schritt zum Sopran unternahm sie angeblich, weil ein Stimmarzt ihr dazu geraten hatte. Die mehrheitlich aus den Sechzigerjahren stammenden, meist in Berlin entstandenen Aufnahmen unter János Kulka, Lorin Maazel, Hans Löwlein und mit Erik Werba am Klavier zeigen eine fürwahr schwarz funkelnde, ausladende und mit erheblicher Oberflächenstrahlkraft versehene Glamour-Stimme, wie man dergleichen so persönlichkeitsstark nie wieder erlebt hat.

Überschneidungen und Sammlerstücke

Mit einem früheren, drei CDs umfassenden Jubiläums-Set ("Early Recordings") gibt es hier etliche Überschneidungen. Schon die Original-Covers indes – mit unrealistisch ondulierten Monumental-Frisuren, Kronen und Haubenaufbauten ungeahnten Ausmaßes – machen diese Box anschaffens- und habenswert.

Die Händel-Gesamtaufnahmen dagegen sind reine Sammlerstücke. Der berühmte "Tannhäuser" sowie "Don Carlo" unter Solti sind in Ausschnitten vertreten. Von den wichtigen Gesamtaufnahmen fehlt eigentlich nur "Aida" mit Birgit Nilsson und der Live-"Macbeth" mit Dietrich Fischer-Dieskau.

Mit enthalten ist die eher groteske Pop-CD, die Bumbry noch in den Neunzigerjahren folgen ließ. Es fehlt das wichtige Arien-Recital, das später bei "Orfeo" erschien.

Grace Bumbry lebt heute (neuerdings) in Wien. 1997 hatte sie ihren (ersten) Bühnenabschied verkündet; was sie nachträglich als "Fehler" empfand. Zurück auf der Bühne, sah man sie in Berlin unter anderem als "Old Lady" in Bernsteins "Candide" an der Deutschen Oper.

Es ist damit zu rechnen, dass wir ihr wiederbegegnen.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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