Matthias Goerne: Einsamkeit; rbb: Montage
Bild: Harmonia Mundi

Lieder - "Einsamkeit"

Bewertung:

Auf seiner bislang vierten Schumann-CD mit dem Titel "Einsamkeit" knüpft der Bariton Matthias Goerne dort an, wo er aufgehört hatte.

Mit seinem Schumann-Vorgänger vor 13 Jahren gibt es hier einige Überschneidungen (z.B. "Die Sennin" und "Du bist wie eine Blume"). Nur dass Goerne die Lieder völlig anders singt. Während er früher mit Druck und Bruststimme die Sensibilitäten der Lieder beinahe negierte, kommt es hier – unter Einsatz kopfstimmig hoher Töne – zu einem wehend subjektiven, gelegentlich sogar säuselnden Tonfall, in welchem sich die Stimme Goernes weit vorteilhafter präsentiert als noch zuletzt.

Matthias Goerne; © Marco Borggreve
© Marco Borggreve | Bild: Harmonia Mundi

Tendenz zum Heldenbariton

Während ich dem Sänger, der seit einigen Jahren stark zum Heldenbariton tendiert, oft eine gewisse "feuchte Rauhigkeit" attestieren musste, die mir nicht recht gefiel, fallen derlei Mängel bei dieser CD so gut wie nicht ins Gewicht. Das führt uns zu der allgemeinen Feststellung, wie genau man bei diesem Sänger zwischen einzelnen Alben unterschieden muss. Sein "Liederkreis" mit Eric Schneider etwa (1998) ist sein vielleicht bestes Album überhaupt. Diese neue CD sein – nach meinem Dafürhalten – zweitbestes Schumann-Album bislang.

Exquisit begleitet

Keiner der gebotenen Zyklen (Myrten op. 25, Gesänge op. 89, Gedichte op. 90) wird vollständig gesungen. Mehrfach fehlt ein einziges Lied, was auf den wählerischen Charakter des Sängers, aber auch auf technische Schwierigkeiten hindeuten könnte.

Einfach exquisit begleitet der Pianist (und Intendant der Salzburger Festspiele) Markus Hinterhäuser. Mit eher sprödem Ton akzentuiert er die Brüchigkeit, das psychologische Straucheln eines Komponisten, der in seiner Komplexhaftigkeit nicht unter Wert verkauft wird.

Echte Hits sind nicht mit drauf. Wofür man angesichts eines kleiner werdenden Lied-Repertoires in der Gegenwart dankbar sein darf. Die CD gehört, soweit ich es überblicken kann, zu den fünf bis sechs Besten Goernes.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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