Go East! © Avi | Montage: rbb
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Kammermusik - "Go East!"

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Go East! Gülru Ensari und Herbert Schuch leben in Köln, sie hat türkische, er rumänische Wurzeln. Auf ihrer neuen CD machen sie eine musikalische Reise in den Osten.

Im Mittelpunkt dieser CD stehen zwei Komponisten, die relativ selten auch nur in die Nähe voneinander gerückt werden: Johannes Brahms, der Romantiker, und Paul Hindemith, der Modernist. Beide haben sich des Walzers angenommen, der eine gleich bei seinem ersten Aufenthalt in Wien (16 Walzer, op. 39), der andere ein halbes Jahrhundert später (Acht Walzer, op. 6). Für Brahms war es Hommage und verkappter Liebesbeweis an eine Stadt, deren Seele er im Tanz musikalisch ausgedrückt sah und in der er später leben sollte. Hindemith kehrte 1016 zu einem Format zurück, das schon zu Brahms’ Zeiten aus der Mode war, er gab seinen Tänzen denn auch den ironischen Titel "Drei wunderschöne Mädchen im Schwarzwald".

Gülru Ensari und Herbert Schuch © Felix Broede
© Felix Broede

Klug verschränkt

Die Pianisten Gülru Ensari und Herbert Schuch sind ein Ehepaar. Beim morgendlichen Üben (erzählen sie im Booklet) haben sie entdeckt, dass diese für vier Hände geschriebenen Walzer von Brahms und Hindemith viele Ähnlichkeiten aufweisen. Auf der CD spielen sie sie nicht etwa blockhaft hintereinander, sondern klug verschränkt, und tatsächlich: Die Stücke scheinen miteinander zu korrespondieren in Länge, Gestus, manchmal sogar Tonart. Es ist faszinierend zu sehen, wie zwei so grundlegen verschiedene Komponisten sich neu mit einer veralteten Form befassen und dabei zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Vital

Natürlich ist es ein Klischee, dass Ehepaare sich auch musikalisch bestens verstehen. Hier trifft es aber mal zu: Die Interpretation klingt vital, alert, gegenwärtig, die körperliche Nähe beim vierhändigen Spiel an einem Instrument, die gegenseitige Inspiration des Augenblicks sind deutlich hörbar. Auch in den weiteren Werken dieser CD, die den programmatischen Titel "Go East" trägt. Ensari und Schuch leben in Köln, sie hat türkische, er rumänische Wurzeln. Hier wollen sie eine musikalische Reise in den Osten machen, mit den ungarisch angehauchten Walzern von Brahms und Hindemith und zwei Stücken des Istanbuler Komponisten Özkan Manav. Auch diese basieren auf anatolischen Tänzen und sind in ihrer überbordenden Rhythmusvernarrtheit doch von radikal anderem Charakter.

Rund

Noch weiter nach Osten, ins heidnische Russland, geht’s zum Schluss, mit dem kompletten Zyklus des "Sacre du Printemps", von Strawinsky selbst für vier Hände geschrieben (noch vor der Orchesterfassung). Ensari und Schuch haben die Noten leicht neu arrangiert, einige Stimmen aus der Orchesterfassung eingefügt, und spielen das Jahrhundertwerk angemessen grimmig, bärbeißig, fast aggressiv. Tänze spielen natürlich auch hier eine große Rolle, und so rundet der "Sacre" diese CD auf gelungene Weise ab.

Udo Badelt, kulturradio

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