Johannes Brahms: Die schöne Magelone op. 33 © Sony Classical | Montage: rbb
Bild: Sony Classical | Montage: rbb

Gesang - Johannes Brahms: "Die schöne Magelone op. 33"

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Zum 90. - Bariton Christian Gerhaher singt erstmals Brahms Liederzyklus. Die Zwischentexte wurden geschrieben und werden vorgetraten von Martin Walser.

Autor Martin Walser im Haus des Rundfunks, Berlin; Foto: Carsten Kampf
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Aufgenommen im Jahr 2014, liegt der Grund für diese Doppel-CD von Brahms’ „Schöner Magelone“ – mit Zwischentexten, geschrieben und gelesen von Martin Walser – vermutlich darin, dass man zum 90. Geburtstag des Schriftstellers etwas präsentieren wollte.

In nüchternen Worten hat Walser die Texte Tiecks in sein eigenes Deutsch umgebacken. Das mag für ein Mal ganz nett anzuhören sein; zumal man die Liebes-Geschichte vom provenzalischen Grafensohn Peter und der neapolitanischen Königstochter Magelone hier endlich einmal versteht. Aber immer wieder?

Ich empfehle, von den Programmierfunktionen handelsüblicher CD-Player Gebrauch zu machen, wenn man den Zyklus der 15 Romanzen, gesungen von Christian Gerhaher, in ungetrübten Hörgenuss verwandeln will.

Vorzüglich entwickelt

Gerhaher war, sängerisch gesehen, noch nie die Unschuld selbst. Seine Stärken als zurzeit bester Liedersänger der Welt liegen darin, durch Inständigkeit zu intensivieren, durch Koloristik zu charakterisieren (darin liegt der Unterschied zum konsonantenfreudigeren Fischer-Dieskau) und dabei eine bis ins Letzte durchgeschliffene Interpretation zu erzielen. Man muss bei ihm immer darauf achten, von wann seine Aufnahmen sind, so sehr und so vorzüglich hat er sich entwickelt.

Die Gefahr, einer gewissen Manriertheit durch zu provozierte Natürlichkeit Vorschub zu leisten, hat er inzwischen staunenswert in den Griff bekommen. Stattdessen blinzelt hier ein gewisser Vorbehalt gegenüber den Texten durch. Mit viel Gefühlsaufwand versucht sich Gerhaher darein zu versenken. Um es deutlicher zu sagen: Ich glaube ihm kein Wort bei dieser "Magelone"!

Christian Gerhaher, Bariton; Foto: © Carsten Kampf
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Gerhahers beste CD

Aber selbst dies ist auf schwindelerregend hohem Niveau gemeckert. Ich wüsste – abgesehen von der alten Studio-Aufnahme mit Fischer-Dieskau und Svjatoslav Richter – keine bessere Einspielung dieses Werks anzugeben. Also: Es ist nicht Gerhahers beste CD überhaupt – dazu singt er zu zeigestockhaft und akademisch bemüht. Und trotzdem: die beste "Magelone" seit über 40 Jahren.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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