Julia Lezhneva: Carl Heinrich Graun; Montage: rbb
Bild: DECCA

Arien - Julia Lezhneva: Carl Heinrich Graun

Bewertung:

Auf ihrem dritten Album nach dem Wechsel zur DECCA singt die (inzwischen) Endzwanzigerin Julia Lezhneva nicht weniger als elf Weltersteinspielungen von Arien Carl Heinrich Grauns.

Der Hofkomponist Friedrichs II. muss, ungeachtet von Berliner Ausgrabungsanfällen in den Achtziger- und Neunzigerjahren (mit "Montezuma" und "Cleopatra e Cesare") als immer noch pures Kassengift und nahezu als persona non grata betrachtet werden – so weit ist der Bogen, der gemeinhin um seine Werke beschrieben wird.

Umso überraschter ist man über die Vitalität, Virtuosität und den Abwechslungsreichtum dieser spätbarocken Juwelen. Die Gluck-Reform machte ihnen (ebenso wie den Werken von Johann Adolf Hasse) den Garaus.

Julia Lezhneva; © Decca / Simon Fowler
© Decca / Simon Fowler

Die Besonderheit ihrer Stimme

Lezhneva, die ursprünglich von Marc Minkowski entdeckt wurde und viel Alte Musik gesungen hat, besitzt genau die richtige rhetorische Beweglichkeit, aber darüber eine Stimmfülle, die hier für die entscheidende Extraklasse sorgt.

Die Besonderheit ihrer Stimme besteht auch darin, dass man sie – ungeachtet glitzernd klitzliger Spitzentöne – beinahe für einen Mezzo halten könnte; so dunkel angereichert und "doppelbödig" timbriert scheint die Stimme in den tieferen Registern.

Meilenstein der Graun-Rezeption

Einzelnen Arien von Graun war man schon bei Cecila Bartoli, Philippe Jaroussky und Jochen Kowalski bei früheren Recitals begegnet – aber nie so monothematisch auf den Komponisten konzentriert wie hier. So macht Julia Lezhneva – dank einer noch ausgereifteren Stimme – einen schönen künstlerischen Schritt nach vorn, und legt dabei, formidabel begleitet vom Concerto Köln, einen Meilenstein der Graun-Rezeption vor.

Man versteht nicht, weshalb Werke wie "L'Orfeo", "Ifigenia in Aulide", "Coriolano", "Armida", "Il Mithridate", "Silla" und "Britannico" so gänzlich unbekannt sind.

Übrigens: Als René Jacobs 1992 seine bekannte "Cleopatra e Cesare"-Produktion an der Berliner Staatsoper herausbrachte, war Lezhneva gerade mal drei Jahre alt. Ihr fabelhaftes Album ist auch ein Beweis dafür, wie blamabel sich gerade Berlin in den letzten zwanzig Jahren in Bezug auf Graun aus der Affaire gezogen hat.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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