Neue Meister - Live in Berlin © Neue Meister | Montage: rtbb
Bild: Neue Meister | Montage: rtbb

Kammermusik - "Neue Meister - Live in Berlin"

Bewertung:

Das 1989 gegründete Deutsche Kammerorchester Berlin porträtiert auf diesem Album insgesamt neun verschiedene zeitgenössische Komponisten.

Die Musik wurde bei insgesamt drei  Konzerten des jungen Berliner Labels "Neue Meister" im Jahr 2016 live mitgeschnitten. Darunter auch das Eröffnungsstück des Doppelalbums "Unknown Touch" von Henrik Schwarz, ein bekannter DJ und Produzent, der diese Musik ursprünglich für das Berliner Staatsballett komponiert hat - ein gefälliger, einst elektronischer Soundtrack, der auf dieser CD nun als akustische Orchesterfassung zu hören ist.

Orchestronik

Das Album bietet einen Querschnitt durch das aktuelle Spektrum des kompositorischen Schaffens einer jungen Generation von Komponisten, die ganz selbstverständlich Elektronik und Computer einsetzen, aber durchaus auch klassische Orchester-Partituren komponieren können. Die musikalische Bandbreite reicht vom neoromantisch orchestrierten Klavierstück bis zum "orchestronischen" Bombast, der entsteht wenn "Orchester" und "Elektronik" zusammenkommen.

Vertreten sind aber auch Komponisten wie Gilad Hochman, der in seiner ambitionierten Weltmusik Einflüsse aus unterschiedlichen Kulturen verarbeitet. Hochmans Werk "Nedudim" (Wanderschaft) ist eine Fantasie für Solo-Mandoline und Orchester und setzt sich mit dem Leben des Komponisten zwischen Israel und Berlin auseinander. Das Solo-Instrument geht hier ganz buchstäblich auf Wanderschaft, das Werk versteht sich als künstlerischer Reflex auf die Probleme von Migration und Exil.

Obsession

Andere Komponisten, wie der Brite Ben Palmer, setzen sich mit dem Prozess des Komponierens  an sich auseinander. Die Obsession wird hörbar,  wenn etwa in Palmers Werk "Bach Dreams"  bekannt e Motive von Johann Sebastian Bach wie in einer nächtlichen Traumfantasie immer wieder auftauchen und durcheinander wirbeln.

Palmers  dreiteilige Suite ist der durchaus gelungene Versuch, in den Kopf eines Komponisten zu schauen: man geht mit einem melodischen Einfall ins Bett, träumt die halbe Nacht davon und wacht am nächsten Morgen mit den gleichen Melodien im Kopf wieder auf.

Neue Meister - Live in Berlin präsentiert den souveränen Umgang junger Komponisten mit allem, was die Musikgeschichte derzeit an Ideen und Technik bietet. Gespielt wird auf dem Album allerdings durchgängig auf akustischen Instrumenten, "Kollege Computer" ist zwar konzeptionell beteiligt, die Musik selbst aber erzeugt ein junges engagiertes Orchester, das man sicher auch live erleben sollte. Erfreulich deshalb, dass die Konzertreihe "Neue Meister" in Berlin fortgesetzt wird.

Hans Ackermann, kulturradio

Weitere Rezensionen

The Last Island © Delphian Records
Delphian Records

Kammermusik von Peter Maxwell Davies - The Last Island

Die letzten 40 Jahre seines Lebens hat der 2016 gestorbene britische Komponist Peter Maxwell Davies auf der Orkney-Insel "Sanday" verbracht. Unter dem Eindruck der rauen Insellandschaft im Norden Schottlands sind die meisten Kompositionen dieser CD entstanden.

Bewertung:
Paul Badura-Skoda spielt Schubert © RCA
RCA

Gesang - Paul Badura-Skoda spielt Schubert

Heute vor 90 Jahren wurde der Pianist Paul Badura-Skoda geboren. In Deutschland durchaus wohlbekannt, hat er sich trotzdem bei uns angeblich nie so richtig durchsetzen können. Warum nicht?

Bewertung: