Reynaldo Hahn: Integrale Piano Music; Montage: rbb
Bild: Ævea

Klavier - Reynaldo Hahn: "Integrale Piano Music"

Bewertung:

Auf vier CDs versammelt diese Box sämtliche Klavierwerke des französischen Komponisten und Proust-Freundes Reynaldo Hahn.

Seit 1894, Hahn war gerade 20 Jahre alt, hatten er und der spätere Verfasser der "Recherche" eine Liebesaffaire. Die Freundschaft hielt bis zu Prousts Tod. Nach dem Krieg war Hahn Direktor der Pariser Oper. Auch als Sänger ist er in zahllosen, superben Aufnahmen überliefert.

Von seinen Opern und Operetten hat vor allem "Ciboulette" ("Schnittlauch") überlebt. In seinen ephemeren, meist zyklischen Klavier-Werken taucht man tatsächlich in eine Proust-Welt ein, in welcher geschmackliche Valenzen, Düfte und Anmutungen wichtiger sind als die klare Aussage einer Sache.

Vom Eindruck her impressionistisch angehaucht, spürt man in allen Werken Hahns vor allem den Lieder-Komponisten, für den die Linie, die Klarheit und Schlichtheit einer Melodie noch über deren Einfallsqualität geht.

Alessandro Deljavan, ein italienischer Schüler von Dmitri Bashkirov, Menahem Pressler und Fou Ts'ong, lässt die Werke nicht zu stark verwehen oder in Duftnebel zerstäuben. Er belässt ihnen einen schönen Rest handfester musikalischer Substanz (ohne so fest zuzupacken wie Cristina Ariagno in einem Vergleichs-Set vor einigen Jahren). Sogar mit einem knappen Dutzend Ersteinspielungen wartet Deljavan auf.

Für Proust-Freunde: ein Muss. Für Leute aber, die mit Proust ihre Schwierigkeiten haben, ein "Proust ohne Proust".

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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