Telemann: Reformations-Oratorium 1755 © Sony Classical| Montage: rbb
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Chormusik - Telemann: "Reformations-Oratorium 1755"

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Der Chor des Bayerischen Rundfunks und die Bayrischen Kammerphilharmonie haben zusammen mit namhaften Solisten unter der Leitung von Reinhard Göbel das Reformations-Oratorium 1755 "Holder Friede, Heil’ger Glaube", TWV 13:18, von Georg Philipp Telemann herausgegeben.

Reformation und Augsburger Religionsfrieden

Telemann schrieb dieses Werk zur 200-jährigen Feier des Augsburger Religionsfriedens. Dieser Augsburger Vertrag besagte vor allem, dass nunmehr beide Kirchen nebeneinander existieren durften, dass aber der Landesherr bestimmt, was seine Untertanen zu glauben hatten. Damit war die Reformation zunächst beendet.

Luther hat den Augsburger Religionsfrieden nicht mehr erlebt, denn er ist schon 1546 gestorben. Diese Verträge wurden damals als Erleichterung angesehen, als Friedengrundlage, so dass man dann auch ihr 200-jähriges Bestehen gefeiert hat, wozu Telemann dieses Oratorium komponiert hat

Aus seinen eingereichten Rechnungsbelegen kann man ersehen, dass er nicht viele Mittel für diese Feier in Hamburg zur Verfügung hatte. So hat sich Telemann bei der Besetzung des Orchesters sehr einschränken müssen. Und er hat das Werk 2-telig komponiert, so dass zwischen den beiden Teilen eine Predigt, später Reden gehalten werden konnten.

Es gibt hier keine dramatische Handlung, die spannend ist und von einem Erzähler vorgetragen wird. Hier streiten sich 4 allegorische Figuren um ihre Funktion bei der Findung des Friedens für die Menschen: der Frieden, die Andacht, die Religion und die Geschichte.

Klangschön und engagiert

Mit Reinhard Göbel hat man hier nicht nur einen ausgewiesenen Spezialisten als Dirigenten für Alte Musik gefunden, sondern einen Botschafter für das Telemann-Jahr, denn wir begehen ja diesem Jahr Telemanns 250. Todestag.

Als Orchester ist die Bayerische Kammerphilharmonie dabei, die historisch informiert spielt und schon mehrmals unter der Leitung von Reinhard Göbel CDs produziert und Konzerte gegeben hat. Die vier Solisten singen sehr engagiert, können sich entfalten, aber auch in den Gestus der Interpretation einfügen.

Das Sahnehäubchen der Aufnahme ist der Chor des Bayerischen Rundfunks. Der ist unendlich wandlungsfähig geworden, singt klar und schlank geführt, dabei aber hell und tragend, auch leichtfüßig in der Führung – ein Hörgenuss.

Insgesamt wird sehr deutlich am Detail gearbeitet, aber auch der große Bogen über das Werk gespannt. Diese Aufnahme ist ein großer Gewinn, sie ist sehr gelungen und somit sehr zu empfehlen.

"In überirdischen Tönen"

Der Kammerchor Saarbrücken ist mit seinen etwa 40 Sängerinnen und Sängern größer als ein Kammerchor üblicherweise ist. Aber er singt ebenso schlank und durchsichtig, wie man es von einem Kammerchor erwartet.

Der Chor zeigt mit dieser CD, wie gut alle mit ihren Stimmen arbeiten können, wie sie gemeinsam hören und sich aneinander anpassen. Und wie der Leiter, Georg Grün, sein Klangideal umzusetzen versteht, das sich in der Bezeichnung "Kammerchor" ausdrückt.

Der Chor klingt immer ausgewogen und ausgelotet und versteht es, mit einer großen dynamischen Bandbreite zu arbeiten.

Im Titel des letzten Liedes heißt es: "In überirdischen Tönen" - und mit diesen Worten könnte man diese CD-Produktion auch charakterisieren.

Es ist eine sehr gelungene CD geworden, eine ultimative Empfehlung für alle Freunde des a-cappella-Gesanges!

Astrid Belschner, kulturradio

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