A Sousa Celebration © Chandos | Montage: rbb
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Orchester - "A Sousa Celebration"

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Järvis jüngster Streich: eine Hommage an den amerikanische Marschmusik-König John Philip Sousa – nur Tschingderassabumm?

Der 1972 in der estnischen Hauptstadt Tallinn geborene Kristjan Järvi gehört zu den neugierigsten Dirigenten seiner Generation. Auf seinen CDs konfrontiert er beispielsweise Richard Strauss mit Duke Ellington konfrontiert, er hat mit seinem Baltic Sea Youth Philharmonic eine musikalische Reise rund um die Ostsee unternommen oder für das Weltmusikprojekt "Balkan Fever" das MDR Sinfonieorchester Leipzig mit Folklorevirtuosen aus Südosteuropa zusammengebracht. Seinen jüngsten Streich hat er jetzt mit dem Royal Scottish National Orchestra realisiert. Die CD trägt den Titel "A Sousa Celebration" und ist eine Hommage an den amerikanische Marschmusik-König John Philip Sousa.

Geboren 1845 in Washington als Sohn eines Portugiesen und einer Deutschen, wurde Sousa schon im Alter von 13 Jahren vom Vater zur musikalischen Ausbildung in die Band des US Marine Corps geschickt. Nach seinem Abschied 1874 arbeitete Sousa einige Jahre als Theaterkapellmeister, um dann 1880 als musikalischer Leiter zur Marine-Band zurück zu kehren.

Schneidiges Tschingderassabumm

Er professionalisierte die Kapelle, die direkt dem Präsidenten unterstellt ist, und machte sie so bekannt, dass er es 1892 schließlich wagen konnte, als Privatunternehmer seine eigene Formation zu gründen, mit der er fortan durch die USA tourte und, ab 1910, auch extrem erfolgreiche Gastspiele in Europa unternahm. Sogar bis Südafrika und Australien kamen Sousa und seine Truppe auf ihren Reisen.

Unter den 136 Märschen, die John Philip Sousa komponierte, erreichten besonders "Stars and Stripes forever", "The Liberty Bell", "Semper Fidelis" und "The Washington Post" Kultstatus. Dass sich der 1932 verstorbene Militärkapellmeister aber nicht nur auf schneidiges Tschingderassabumm verstand, will Kristjan Järvi mit seiner "Celebration" beweisen. Dafür ist er tief in die Archive gestiegen, vor allem in der Library of Congress, und hat dort so manches Autograph zutage gefördert, das niemals im Druck erschienen ist

Brillant

Als Bandleader strebte Sousa danach, sein Publikum so vielseitig wie möglich zu unterhalten. So versammelt Järvi auf der CD neben den Zweivierteltakt-Klassikern auch Walzer, Galopps, Operettenouvertüren und lyrische Charakterstücke. Besondere Entdeckungen sind die "Humoresken", Variationen über bekannte Lieder, in denen sich Sousa als raffinierter Orchestrator erweist und die mit ungewöhnlichen Klangfarben-Effekten und Anspielungen auf weitere populäre Musiknummern gespickt sind. Järvi hat für die CD Humoresken über George Gershwins "Swanee" und Jerome Kerns "Look for the silver lining" ausgewählt.

Hörenswert, wenn auch politisch heute nicht mehr korrekt, ist die Suite "Dwellers of the Western World" (Bewohner der Westlichen Welt): Hier werden in drei Sätzen nacheinander die verschiedenen Volksgruppen Amerikas porträtiert, "The Red Man","The White Man" und "The Black Man".

Sousas Band muss eine Formation von absolut erstklassigen Musikern gewesen sein, denn alle Kompositionen und Arrangements sind spieltechnisch höchst anspruchsvoll. Das Royal Scottish National Orchestra stürzt sich mit hörbarer Begeisterung auf die Trouvaillen und meistert unter Järvis befeuerndem Dirigat die Herausforderungen brillant.

Frederik Hanssen, kulturradio

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