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Kammermusik - "Divertissements" - Originalkompositionen für Oboe und Gitarre

Bewertung:

Michaela Hrabankova und Gabriel Bianco spielen mit Oboe und Gitarre kleinere Werke ein, die keinen Konzertsaal fordern, sondern intime Atmosphäre.

Unglaublich aber wahr: es gibt Originalkompositionen für die Duobesetzung Oboe und Gitarre. Einige davon sind auf der CD "Divertissements" zu hören. Divertissement heißt übersetzt "Zeitvertreib". Das umschreibt sehr passend die Musik, die hier eingespielt ist: Musik aus dem späten 19. und vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Kleinere Werke, die keinen Konzertsaal fordern, sondern intime Atmosphäre.

Lautes Holz gegen zart besaitete Gitarre

Überraschender Weise funktioniert diese Instrumentenkonstellation und ergibt eine erstaunlich ausgewogene Klangmischung. Es gab unterschiedliche Gründe, für diese äußerst seltene Kombination zu schreiben. Napoléon Coste z. B. war Chopin-Zeitgenosse, Franzose, vor allem in Paris lebend. Er war einer der wichtigsten Gitarrenvirtuosen und schrieb natürlich für sein Instrument und seine Auftritte. Dass die Oboe zu seinem Instrument hinzutrat, ist einer Freundschaft zu einem Oboisten aus dem Pariser Konservatorium zu verdanken.

Ein anderer Komponist ist Ferdinand Rebay, Österreicher, an Wien gekoppelter Komponist, der im Umkreis von Mahler, Sibelius und Richard Strauss studierte. Rebay errang etliche Kompositionspreise. Er schrieb für Gitarre und Oboe, obwohl er keines der beiden Instrumente beherrschte, aber seine Nichte spielte professionell Gitarre. So gab es für ihn Grund genug, für dieses Instrument zu schreiben, ganz tonal, die epochalen Veränderungen, die die Musik nach der Jahrhundertwende erfahren hatte, spiegeln sich bei Rebay nicht wider.

Daher ist sein Werk rein musikwissenschaftlich betrachtet keine bedeutende Musik, die er in den 1940er Jahren komponierte – es ist attraktive Kammermusik, die sich sehr stark an der ländlicher Musik orientiert: um Wien existiert bis heute eine breite Volksmusik-Szene, die auf Klarinetten und Zittern in den Schankwirtschaften zu erleben ist – und von dieser fröhlichen Musik hat sich Rebay eine Menge abgehört. Der Gitarrist Gabriel Bianco spielt einige Passagen auch so, dass man an den Klang einer Zither erinnert wird.

Oboistin und Gitarrist

Michaela Hrabankova stammt aus Prag, Gabriel Bianco ist ihr französischer Duo-Partner. Die Oboistin studierte in Prag und Karlsruhe, ging dann nach Frankreich, wo sie unterrichtet und in Kammermusikformationen musiziert. Sie ist viel unterwegs, vor allem zwischen Frankreich und ihrer Heimat. Ihr Spiel schließt sich eher der französischen Schule an, die für das hell Leuchtende im Ton steht, das Filigrane und Virtuose.

Der Gitarrist Gabriel Bianco stammt aus einem Musikerhaus, in dem vor allem Gitarre gespielt wurde. Er ist mit seinem Instrument also aufgewachsen und hat sich mit 15 Jahren für das klassische Repertoire entschieden und in Paris studiert. Auch er ist leidenschaftlicher Kammermusiker, und so haben sich beide in Frankreich zusammen gefunden und treten regelmäßig gemeinsam auf. In einem Interview meinte Bianco: "Wenn man als Kind sehr früh mit der Gitarre beginnt, dann gehört das Instrument zu einem, wie eine zweite Haut." Und diese unbedingte Vertrautheit mit dem Instrument macht ihn zu einem herausragenden Musiker. Gabriel Bianco begleitet ganz zurückhaltend und tritt dann aber auch mal kernig, mal elegant und geschmackvoll in den solistischen Stellen hervor.

Eine Entdeckung im Jahr der Oboe

Wer das Album skeptisch zur Hand nimmt, wird positiv überrascht werden: Kleine, unbekannte Stücke, die im ganz positiven Sinne "reizend" sind, dabei hervorragend gespielt. Die CD ist im Dschungel der "selten gespielten" Werke ein Fund, der erklärte Oboen- und Gitarren-Fans freuen wird!

Cornelia de Reese, kulturradio

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