Johannes Brahms: Streichsextette op. 18 und op. 36 © audite | Montage: rbb
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Kammermusik - Johannes Brahms: Streichsextette op. 18 und op. 36

Bewertung:

Mit den beiden Streichsextetten von Johannes Brahms hat das Mandelring Quartett jetzt die komplette Streicherkammermusik des Komponisten aufgenommen.

Komponiert in den 1860er Jahren, zeigt Brahms gerade in diesen beiden hochromantischen Werken,  dass er sich von den großen Vorbildern Beethoven und Schubert emanzipiert und einen unverkennbar eigenen Stil entwickelt hat.

Komplett

Erst vor wenigen Monaten hat das Mandelring Quartett die Aufnahme der Streichquintette von Johannes Brahms präsentiert. Die "Stammbesetzung" mit den drei Geschwistern Sebastian, Nanette und Bernhard Schmidt und dem Bratscher Andreas Willwohl wurde dabei um den früheren Bratscher des Quartetts, Roland Glassl erweitert. Zu diesem bewährten Ensemble kommt bei den Sextetten jetzt noch der renommierte Cellist Wolfgang Emmanuel Schmidt hinzu.

Gesprächig

Durch die Besetzung mit nun zwei Violoncelli verschiebt sich der Klang deutlich in tiefere Lagen, wird voller und wärmer. Doch hat Brahms die Sextette nicht im Sinne barocker Polyphonie komponiert, wir hören nur selten sechs unabhängige Stimmen, sondern überwiegend die drei Tonlagen in jeweiliger Verdopplung. So gibt es immer wieder klangschöne Passagen, in denen die beiden Cellisten in parallelen Terzen und Sexten miteinander musizieren, so wie auch die beiden Violinen oder die beiden Bratschen mit ihrer jeweiligen Partnerstimme Zwiesprache halten, bevor Brahms dann wieder alle sechs Musiker im kammermusikalischen Chor zueinander finden lässt.

Die insgesamt höhere Klangdichte lässt die Sextette vielleicht als Vorstufen zur Sinfonie erscheinen, doch komponiert hat Brahms hier zweifelsfrei Kammermusik, die allerdings volltönender nicht sein könnte.

Körperlich

Wer das Mandelring Quartett im Konzert erlebt, kann im Saal den konzentrierten und intensiven Klang dieses Ensembles unmittelbar körperlich spüren. Der Raum wird von diesem Ensemble emotional aufgeladen, mit Tonschwingungen, aber auch mit den geistigen Energien, die dieser Musik innewohnen. Dem physischen Musikerlebnis im Konzert nähert sich die vorliegende CD sehr weit an, Töne und Klänge der Streicherkammermusik von Johannes Brahms könnten besser nicht aufgenommen sein.

Hans Ackermann, kulturradio

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