Sergei Prokofjew: Leutnant Kische Suite | Sinfonien Nr. 1 & 7; Montage: rbb
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Orchester - Sergei Prokofjew: Leutnant Kische Suite | Sinfonien Nr. 1 & 7

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Tugan Sokhiev und das Deutsche Symphonie-Orchester setzen einen gemeinsamen Prokofjew-Zyklus fort. Reicht die CD an die beiden vorangegangenen, gut besprochenen Veröffentlichungen heran?

Der Prokofjew-Zyklus, den sich Tugan Sokhiev mit dem Deutschen Symphonie-Orchester vorgenommen hatte, ist erst halb vollendet – da ist ist der Chef schon wieder davon. Die zweite Sinfonien-Lieferung mit den Nummern 1 und 7 bestätigt, was regelmäßige Konzertbesucher von den letzten gemeinsamen Auftritten in der Philharmonie berichteten: Dass "die Luft raus" sei zwischen Sokhiev und seinem Orchester.

Fein geschliffenes Kristallglas

Poliert und klangschön mag dieser Prokofjew sein. Aber auch ungemein flach, als seien es Dekorationsgegenstände. Die Tempi: lätschert. Aller Innenspannung bar, fehlt es – bei bloßem Brillanzgebahren – an Drive und Witz, aber auch an einer Antwort auf die Frage, warum diese Interpretationen überhaupt da sind. Als Leistungsnachweis für ein Orchester, das niemand in Zweifel zieht, genügt das nicht.

Tugan Sokhiev dirigiert das Deutsches Symphonie-Orchester Berlin; © Kai Bienert
© Kai Bienert | Bild: © Kai Bienert/SONY

Die Dreistigkeit etwa, mit der Prokofjew bei seiner Ersten (der "Klassischen") auf Haydn zurückgriff, um seine eigene Neuheit zu beweisen, bleibt unvermittelt. Selbst Karajan, der seinerzeit immerhin die Berliner Philharmoniker blitzen ließ, besaß mehr Stoßrichtung, mehr optimistischen Furor für dieses im Umfeld der Februarrevolution 1917 komponierte Stück. Bei Sokhiev dagegen: ein Vorschein auf den Zuckerbäckerstil. Auch der finalen Siebten fehlt es an Dringlichkeit, Härte und historischem Ort.

Alles wird vorgeführt, als handele es sich um fein geschliffenes Kristallglas. Mit anderen Worten: Dies ist eine CD von schöner, vollendeter Belanglosigkeit.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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