Stravaganza d'Amore; Montage: rbb
Bild: Harmonia Mundi

Alte Musik - "Stravaganza d'Amore"

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Die Geburt der Oper am Hof der Medici: Musik von Lorenzo Allegri, Giulio Caccini, Emilio de'Cavalieri, Jacopo Peri, Luca Marenzio und anderen

Unter der Herrschaft der Medici war die Stadt Florenz in der Renaissancezeit eine der bedeutendsten europäischen Residenzen. Zur Repräsentation ihrer großen Macht setzte diese Dynastie gern die Künste ein, was dazu führte, dass sich viele bedeutende Dichter, Bildhauer, Maler und eben auch Musiker um den Florentiner Hof scharten.

In den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts kam es dann zu einer ganz besonderen Konzentration der versammelten Künstler auf eine Neugestaltung des Musiktheaters. Großzügig unterstützt von den Medici fanden anlässlich von fürstlichen Hochzeiten mehrere große Aufführungen von Intermedien und Opern statt, die als Geburtsstunde der modernen Gattung Oper gelten dürfen.

Raphaël Pichond; © JB Millot/Harmonia Mundi
Raphaël Pichond; © JB Millot/Harmonia Mundi | Bild: Harmonia Mundi

Glanzvolle Epoche

Der französische Sänger und Dirigent Raphaël Pichon lässt diese glanzvolle Florentiner Epoche auf der neuesten CD seines Ensembles Pygmalion wieder aufleben. Mit großer Repertoirekenntnis und Detailgenauigkeit hat er ein Programm aus verschiedenen Bühnenwerken zusammengestellt, die zwischen 1589 und 1611 in Florenz veranstaltet wurden.

Der Reigen beginnt mit den "Pellegrina"-Intermedien, an denen unter anderem Cristofano Malvezzi und Emilio de'Cavalieri mitwirkten, und reicht über die "L'Euridice" von Jacopo Peri (1600) bis zur Oper "Dafne" von Marco da Gagliano (1608/11).

Aus ganz unterschiedlich gearteten Chören, Instrumentalsätzen und monodischen Szenen hat Pichon ein Pasticcio unter dem Titel "Stravanganza d'amore" zusammengestellt, das die vielen Facetten der Florentiner Werke sehr treffend wiedergibt.

Hervorragend disponiert

Sein Ensemble, bestehend aus Vokalsolisten, Chor und Orchester ist hervorragend disponiert. Die Sängerinnen und Sänger sind an der Musik dieser Epoche geschult und geben gerade die monodischen Sätze sehr eindrucksvoll wieder. Herausragend sind dabei die Mezzosopranistin Luciana Mancini und der Bariton Renato Dolcini.

Der Chor besitzt ein sehr homogenes Klangbild und agiert gerade in den schnellen, spritzigen Sätzen sehr flexibel. Auch das Orchester sorgt mit einem sehr engagierten Spiel für einen farbigen Gesamtklang.

Einziges Manko dieser Florentiner Opernschau ist allerdings der viel zu starke Nachhall, der wohl dem Aufnahmeort, der Chapelle royale in Versailles, geschuldet ist. Mit etwas weniger Hall hätte noch wesentlich mehr Präzision und Transparenz erreicht werden können.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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