Thousands of miles; Montage: rbb
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Lieder - "Thousands of miles"

Bewertung:

Die amerikanischen Mezzosopranistin Kate Lindsey und der französische Jazzpianist Baptiste Trotignon präsentieren Lieder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht Musik von Kurt Weill.

Von Berlin nach New York

1933 hat Kurt Weill Berlin hinter sich gelassen, die Stadt, in der er wenige Jahre zuvor noch mit Bertolt Brecht den Erfolg der "Dreigroschenoper" feiern konnte.

Die Flucht führte Weill zunächst nach Paris, von dort dann 1935 weiter in die USA, wo er am Broadway in New York Fuß fassen konnte – "Lost in the Stars" hieß 1949 Weills letztes Musical, dem Kate Lindsey und Baptiste Trotignon auch ihr Titelstück "Thousands of miles" entnommen haben.

Von Wien nach Los Angeles

Das Lied formuliert auch das Credo dieser CD: sich "tausende Meilen" weit weg von zu Hause nicht unterkriegen lassen und zumindest versuchen, neue künstlerische Wege zu gehen. Wie Erich Wolfgang Korngold, dessen frühes Lied "Schneeglöckchen" zu hören ist.

Auch  Alma Mahler-Werfel hat in ihrer Jugend zauberhafte Lieder wie "Die stille Stadt" geschrieben. Außerdem ist Alexander von Zemlinsky mit zwei Liedern vertreten. Bei ihm in Wien sind Korngold und auch die junge Alma Schindler in die Lehre gegangen.

Jazz und Oper

Mit den beiden Interpreten Lindsey und Trotignon kommen auf dieser CD in überzeugender Weise zwei Welten zusammen, die sonst oft als getrennt und einander fremd betrachtet werden: Jazz und Oper. Doch war gerade diese Kombination für Kurt Weill immer eine willkommene Herausforderung, in der "Dreigroschenoper" und bei "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" bis hin zu den späteren Broadway-Musicals.

Kate Lindsey, Paris 2016; © Richard Dumas
Kate Lindsey; © Richard Dumas | Bild: Richard Dumas

Authentisch

Kate Lindsey, die schon als "Cherubino" in Mozarts "Le Nozze di Figaro" oder als "Komponist" in "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss zu erleben war, singt mit geschulter Stimme und verzichtet darauf, das Timbre einer Jazzsängerin zu imitieren.

Genauso klug bleibt sich Baptiste Trotignon als Jazzmusiker treu, glänzt mit freien Vor- und Zwischenspielen, hält sich bei den Begleitungen der frühen Lieder von Mahler-Werfel oder Korngold aber als Improvisator dezent zurück. Daraus resultiert ein authentischer Klang, der die Frage nach vermeintlich "getrennten Welten" gar nicht mehr aufkommen lässt.

Das Erfolgsgeheimnis dieser CD besteht darin, das sich die beiden Musiker der jeweils anderen musikalischen Welt öffnen und einander zuhören, ohne Vorurteile und mit großer künstlerischer Neugierde.

Hans Ackermann, kulturradio

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