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Vokalmusik - Verleih uns Frieden gnädiglich - Choräle aus der Sammlung des Georg Christian Schemelli

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Die Mezzosopranistin Britta Schwarz und ihre instrumentalen Partner mit Chorälen aus der Sammlung des Zeitzer Kirchenmusikers Schemelli.

Der Zeitzer Schlosskantor Georg Christian Schemelli wäre heute vermutlich nur einem kleinen Kreis von Gesangbuch-Forschern und Theologen bekannt, hätte er nicht im Jahre 1736 eine weitsichtige Vermarktungsstrategie verfolgt: Im Vorwort des von ihm veröffentlichten Gesangbuches wies er stolz darauf hin, dass die dort abgedruckten Lieder "von Herrn Johann Sebastian Bach theils ganz neu componiret, theils auch von Ihm im General-Baß verbessert" worden seien.

Schemelli nutzte Bachs berühmten Namen

Das stimmt freilich nicht: Von den 954 geistlichen Liedern des Gesangbuches sind nur 69 überhaupt mit einer Melodie und einer bezifferten Generalbassstimme abgedruckt. Davon wiederum können nach neueren Forschungen nur ganze zwei Bach zugeschrieben werden. Möglicherweise hat Bach die Generalbassstimmen und -bezifferungen der anderen Choräle zumindest durchgesehen, wie detailliert er dabei vorging, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Schemelli machte sich also den berühmten Namen Johann Sebastian Bachs zunutze, um den Absatz seiner Publikation zu fördern. Und das gelang ihm nachhaltig: Bis heute handelt es sich um eines der bekanntesten Gesangbücher des 18. Jahrhunderts, dessen Sätze häufig aufgeführt werden.

Bisher nur wenige Einspielungen

Und dennoch ist die Zahl der CD-Einspielungen von Schemelli-Liedern sehr überschaubar. Vielleicht erscheinen die einfachen Strophenlieder vielen Sängern zu simpel und damit als nicht besonders geeignet, ihre stimmlichen Fähigkeiten zu präsentieren? Die Mezzosopranistin Britta Schwarz hat sich ganz bewusst für eine Einspielung ausgewählter Choräle aus der Sammlung von Schemelli entschieden, um ein Zeichen für den geistlichen Liedgesang zu setzen.

Ihre warme und volle Stimme passt wunderbar zu diesen schlichten und doch so wertvollen Gesängen. Hier klingt nichts gekünstelt, überzeichnet oder gefrömmelt, die Choräle werden als Gemeindelieder aufgefasst und entsprechend unprätentiös und gut verständlich vorgetragen. Sehr gelungen und gleichzeitig originell ist die Besetzung für die Continuostimme: Keine Orgel, kein Cembalo und auch keine Laute sind da zu hören, sondern zwei Harfen (eine barocke Harfe und eine Pedalharfe) sowie eine Viola da gamba.

Kleine Details beglücken

Gespielt werden diese Instrumente von wahren Spezialisten des Fachs: Margret Köll, Maria Graf und Domen Marinčič. Diese Dreierbesetzung wird liedweise, zuweilen auch strophenweise variiert, behält aber durchgehend einen farbigen, schillernden Klangcharakter. Und es sind vor allem die kleinen Details, die beglücken, ein kleiner Triller in der Gambe oder ein paar Durchgangsnoten in der Harfe.

Ein besondere Entdeckung hält dann der letzte Track bereit. Hier erklingt der Luther-Choral "Vater unser im Himmelreich" in der Bearbeitung des Leipziger Komponisten Steffen Schleiermacher. Die begleitenden Instrumentalisten sind hier voll gefordert und formen gemeinsam mit Britta Schwarz eine faszinierende zeitgenössische Fantasie über den Choral. Vielleicht hätten es noch ein paar mehr solche Arrangements sein können?

Bernhard Schrammek, kulturradio

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