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Orchester - Eduard Künneke: "Klavierkonzert op. 36. Serenade. Zigeunerweisen"

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Eduard Künneke hat einen guten Ruf als Operettenkomponist, vor allem sein "Vetter aus Dingsda" gehört zu den großen Hits der Operette in den 20ern, aber er hat auch Orchestermusik geschrieben. Eine kleine Auswahl davon ist nun auf CD erschienen, eingespielt vom Münchner Rundfunkorchester unter Ernst Theis.

Alle drei Werke stammen aus dem Nachlass des Komponisten, der 1953 gestorben ist und dessen Orchesterwerk bis heute nur teilweise erschlossen wurde. Ausgewählt wurden ein Klavierkonzert und zwei Orchestersuiten. Wir wissen fast nichts über diese Werke, Uraufführungsdaten sind nicht überliefert. Aber man kann ungefähr die Kompositionszeit bestimmen.

Überschäumende, lebensbejahende Musik

Das Hauptstück ist das gigantische Klavierkonzert op.36, komponiert 1935, sehr elegant im Zeitgeschmack der Dreißiger verfasst. Das Stück orientiert sich an Gershwins Klavierkonzert (Künneke war länger in Amerika), geht aber in seinen modischen Elementen nie so weit, wirklich jazzig zu werden. Stattdessen experimentiert Künneke mit Formen, die grade noch so geduldet waren im "Dritten Reich": Tango- und Habaniera-Rhythmen, Foxtrott kombiniert mit Tarantella. Das Werk ist auf Glanz und Effekt poliert, es gibt keine Abgründe; das ist feinster Vorzeige-Künneke mit überschäumender lebensbejahender Musik.

Nonchalance eines Weltmannes

Aber vielleicht ist das ja schon ungewöhnlich genug – er ist eben nicht die zackige, angemalte Bierfröhlichkeit der Nazi-Doktrin, sondern die Nonchalance eines Weltmannes. Am Pult steht Ernt Theis, und der ist nicht nur operetten-erprobt (er hat jahrelang als Chefdirigent für die Dresdner Staatsoperette gearbeitet), er ist auch ein  Experte für Rundfunkmusiken der 20er und 30er Jahre und hat für diese faszinierende Hybridmusik zwischen Avantgarde und Tonfilmschlager ein sehr gutes Gespür. Bei ihm klingt's wirklich nach den 30ern, nicht nach seifiger Imitation jener Ära.

Ein Allround-Talent am Klavier

Glücklicherweise kommt hier noch ein sehr einfühlsames Allround-Talent am Klavier hinzu; Oliver Triendl spielt das Konzert etwas zurückgenommen, aber brillant mit einem Hauch mehr mondäner Wehmut als vielleicht wirklich in der Partitur steht, aber genau das bekommt dem Werk ausgezeichnet.

Der einzige Schwachpunkt der CD: angefügt wurden zwei frühe Suiten des jungen Künneke. Nach dem Klavierkonzert wirken die doch etwas  anämisch, wie wenn der Radieschensalat nach dem großen Fasanen-Braten gereicht wird. Diese frühen Stücke wirken zum Teil wie Johann Strauß-Imitationen, zum Teil wie blasse Brahms-Avancen. Trotzdem ist die CD eine erfreuliche und bereichernde Ergänzung des Orchesterrepertoires im frühen 20. Jahrhundert.

Matthias Käther, kulturradio

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