Alia Vox, Montage: rbb
Bild: Alia Vox, Montage: rbb

Alte Musik - Heinrich Isaac: Lieder, Motetten, Instrumentalmusik

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Der 500. Jahrestag der Reformation ist zweifellos das dominierende Jubiläum im laufenden Jahr 2017. Allerdings droht im ganzen Rummel um Luthers Thesen und die Folgen ein weiteres Ereignis des Jahres 1517 völlig unterzugehen: der 500. Todestag von Heinrich Isaac.

Ein europäischer Star des 16. Jahrhunderts

Dieser Komponist und Kapellmeister war zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein europäischer Star. Er war zunächst der wichtigste Hofmusiker der Medici in der glanzvollen Ära unter Lorenzo dem Prächtigen in Florenz. Später stellte ihn dann Kaiser Maximilian I. als Hofkomponist an, was Isaac eine rege Reisetätigkeit mit vielen Auftritten vor gekrönten Häuptern bescherte.

Heinrich Isaac hinterließ zahlreiche Messen, Motetten und Lieder, die trotz ihrer großen Kunstfertigkeiten immer wieder eingängige, fast volkstümliche Melodien sowie eine effektvolle Klanglichkeit präsentieren.

Savall ist auch mit 75 voller Schaffensdrang

Jordi Savall ist auch in seinem 75. Lebensjahr voller Schaffensdrang und hat pünktlich zum Isaac-Jubiläum eine musikalische Hommage des Komponisten herausgebracht. Die CD gibt ein (wie immer bei Savall) klug dramaturgisch ausgearbeitetes Konzertprogramm wieder, in dem die verschiedenen Facetten des Schaffens von Heinrich Isaac klanglich dargestellt werden.

So reihen sich weltliche Lieder, Motetten und Instrumentalsätze aneinander, wobei jeweils auch ein konkreter Bezug auf ein Ereignis im Leben des Komponisten hergestellt wird. Mit dabei ist beispielsweise die Totenklage auf Lorenzo Medici ("Quis dabit capiti"), eine Huldigungsmotette auf Papst Leo X ("Optime Divino"), aber auch ein italienisches Karnevalslied und die Medici-Hymne "Palle, palle".

Perfektion und Geschlossenheit

Jordi Savall hat die Motetten und Lieder von Isaac äußerst geschmackvoll für Vokal- und Instrumentalstimmen arrangiert. In dieser Form (mit Bläsern, Streichern und Perkussion) wirken die eigentlich a cappella überlieferten Stücke sehr farbig und abwechslungsreich und können damit auch die vertonten Texte viel wirkungsvoller vermitteln.

Die Musiker von La Capella Reial de Catalunya und Hespèrion XXI folgen ihrem Leiter dabei in gewohnter Perfektion und Geschlossenheit. Die mehr als 500 Jahre alte Musik von Isaac wird mit neuem Leben erfüllt und erreicht den Hörer durch ihre große Emotion ganz unmittelbar. Jordi Savall ist eine hervorragende Hommage auf diesen großen Kapellmeister gelungen.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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