Dvorak Grieg Brahms - Klavier zu vier Händen ©Alpha/ Montage: rbb
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Kammermusik - Dvorak-Grieg-Brahms. Musik zu vier Händen

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Jos van Immerseel, der Dirigent und Pianist, hat sich mal wieder für ein CD-Projekt mit privatem Charakter entschieden: Musik zu vier Händen. Mit Claire Chevallier hat er Tänze aufgenommen – von Dvorak, Grieg und Brahms.

Das ist eine CD, die man unglaublich gut durchhören kann – auch in einem Moment, wo man der Musik nur hin und wieder bewusst folgt. Schon die ersten Takte vom ersten Track an überzeugen; wie schön, diese Tänze mal im Original zu hören, auf dem Klavier und nicht in der wuchtigen Orchester-Bearbeitung, die so viel TamTam und Lärm macht.

Besonderer Flügel

Viel Dynamik, von wuchtig bis zum feinen Pianissimo, lässt der Flügel alles zu. Er hat eine ganz klare Höhe, die flirrt und eine schöne Brillanz hat, die einem aber nicht ins Ohr "schießt". Es schwingt immer eine Wärme mit – eine romantische Wärme. Jos van Immerseel, der sammelt ja Instrumente wie andere Beethoven-CDs, hat aus allen Epochen Instrumente zusammen gekauft und für Aufnahmen zieht er sich dann DEN EINEN PASSENDEN Flügel heraus. Und hier ist es ein Flügel der Marke Bechstein.

Führende Musiker schwärmten und schwärmen auch immer noch und lassen sich regelrecht als "Bechstein-Künstler" bezeichnen, weil sie diesem Flügel den Vorzug vor allen Instrumenten geben.

Zu diesen Künstlern zählten auch Grieg, Dvorak und Brahms. Diese drei Komponisten liebten erklärtermaßen den Klang von Bechstein, und so hat Immerseel einen solchen Flügel hervorgeholt, der in der Zeit gebaut wurde, als die Kompositionen entstanden sind, alle um 1880 herum. Immerseel hat das mit ganz feinem Ohr getan: Es gibt Flügel aus dieser Zeit, die vor allem im Bass dröhnen und die Tiefen ganz stark betonen. Das ist hier ganz anders: hier haben die Höhen eine bestechende Höhe, eine fantastische Balance... Ein wirklich schönes Instrument, um das man Jos van Immerseel nur beneiden kann.

Tänze

Und es sind alles Tänze mit nationaltypischen Idiomen, also Brahms Ungarische Tänze (hier mal die weniger bekannten Nummern 11-21), Griegs Norwegische Tänze (wobei – das op. 35 sind eigentlich vier Tänze, hier haben sie nur drei aufgenommen, der letzte fehlt) und Dvoraks erste Runde der Slawischen Tänze (die ja nach dem Vorbild von Brahms entstanden).

Brahms, der das Ungarische in Wien permanent miterlebte, schrieb an seinen Verleger sogar, er habe die Tänze nur gesetzt – da gab‘s dann auch einen juristischen Streit um die Urheberschaft der Tänze – aber wir kennen und lieben sie unter Brahms Namen. Und Grieg hatte nach seiner Studienzeit auch schnell die Ohren auf den heimatlichen Klängen und erklärte auch, dass er sich in DIESER Musikfarbe "austoben" möchte. Dvorak hatte den Auftrag für die Tänze direkt vom Verleger erhalten – und legte dann mit einer zweiten Folge (op. 72) nach.

Dazu kommt: Alle drei sind in Leipzig unterwegs gewesen – DER Musikstadt auf deutschem Boden. Und hier verfolgte man den Klavierbau ganz genau. Es war die Blüte des Klavieres, fast jeder Haushalt hatte damals ein Piano, Pianino oder auch Flügel im Haus. Das war die gängige Musikanlage, die man damals eben ganz analog betreiben musste.

Einfach schön gespielt

Zugegeben, diese Literatur ist schon ganz schön anspruchsvoll – da kann man nicht alles einfach vom Blatt reißen, aber das hat sich verkauft wie verrückt. Und wenn man den beiden Pianisten hier zuhört, Claire Chevallier und Jos van Immerseel, dann weiß man auch, warum. Der Spaßfaktor war einfach riesengroß, das zu probieren, zu üben und zu spielen.

Alles ist da: viele Ausdrucksnuancen, das vorsichtige Zögern, das melancholische Träumen, und dann immer wieder bricht eine unbändige Spielfreude hervor. Selten begeistert Spiellaune so unmittelbar. Man hört richtig das breite Grinsen, das beide aufsetzten mussten, als sie dieses Repertoire gespielt haben. Manchmal ist hier und da eine winzige Ungenauigkeit. Aber hier überträgt sich gute Laune so unmittelbar.

Diese Platte nicht mehr hergeben! Gerade für Tage, an denen man musikalischen Zuspruch braucht. Mit dieser Platte kommt man wieder auf die Füße, wenn man die Hälfte davon gehört hat, oder die ganze Platte oder die Platte gleich drei Mal hintereinander ...!

Cornelia de Reese, kulturradio

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