Johann Sebastian Bach: Erhalt uns Herr, bei deinem Wort © Carus | Montage: rbb
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Alte Musik - Johann Sebastian Bach: Erhalt uns Herr, bei deinem Wort

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Für die Debüt-CD der neuen "Gaechinger Cantorey" wählte Hans-Christoph Rademann ein Bach-Programm passend zum Jubiläumsjahr der Reformation aus. In allen drei Werken präsentieren sich die Sänger und Instrumentalisten als hervorragendes und homogenes Ensemble.

Als Hans-Christoph Rademann im Juni 2013 die Leitung der Internationalen Bachakademie Stuttgart von Helmuth Rilling übernahm, ahnte man schon, dass hier große ästhetische Umbrüche bevorstehen würden. Und tatsächlich: Rademann formierte Chor und Orchester völlig neu und richtete sie unter dem gemeinsamen Namen "Gaechinger Cantorey" nach den Kriterien der historischen Aufführungspraxis aus.

Hatte er 2015 in seiner ersten Stuttgarter CD-Produktion (Bachs h-Moll Messe) noch auf das Freiburger Barockorchester als Begleitorchester zurückgegriffen, kann man nun das komplette neue Hausensemble hören.

Passend zum Jubiläum

Für diese Debüt-CD der neuen "Gaechinger Cantorey" wählte Hans-Christoph Rademann ein Bach-Programm passend zum Jubiläumsjahr der Reformation aus: Die Choralkantate "Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort" (BWV 126) basiert auf einem besonders kämpferischen Lutherchoral und die Kantate "Gott der Herr ist Sonn und Schild" (BWV 79) hat Bach für den Reformationstag (1725) komponiert. Hinzu kommt als dritte Komposition die phänomenale "Missa brevis" G-Dur (BWV 236), ein Parodiewerk, in der sich auch zwei Sätze aus der Reformationskantate BWV 79 wiederfinden.

Ganz oben mit dabei

In allen drei Werken präsentieren sich die Sänger und Instrumentalisten der Gaechinger Cantorey als hervorragendes und homogenes Ensemble. Der Chor singt transparent, schlank und mit größter Perfektion auch in den schnellsten Koloraturen.

Das Orchester ist – für sein kurzes Bestehen – bereits bemerkenswert gut aufeinander eingestellt. Es bringt im Tutti, aber auch in solistischen Passagen (Solo-Oboe, Fagott oder Trompete) farbige, differenzierte, mitreißende Klänge hervor und korrespondiert sehr gut mit dem Chor. Und auch die vier Vokalsolisten sind bestens besetzt, besonders eindrücklich gestaltet Tobias Berndt seine beiden Soloarien.

Zum Einsatz kommt im Orchester auch eine Truhenorgel, die nach dem Vorbild eines Silbermann-Instruments neu erbaut wurde. So richtig gut zu hören ist diese vierregistrige Orgel (auf 2-Fuß-Basis) allerdings nur, wenn nur wenige andere Instrumente mitspielen (also in Rezitativen und klein besetzten Arien). Die Frage nach der Disposition der Continuoorgel könnte also nochmal neu durchdacht werden.

Fazit: Die Gaechinger Cantorey ist in neuer Besetzung und Ausrichtung ganz oben dabei im Konzert der deutschen Barockensembles.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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