Johannes Brahms: Liebeslieder © Ondine | Montage: rbb
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Gesang - Johannes Brahms: "Liebeslieder"

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Der Lettische Rundfunkchor hat unter der Leitung von Siegvards Kļava eine CD mit den bekannten und beliebten Liebeslieder-Walzern, op. 52, den Neuen Liebesliederwalzern, op. 65, (beide nicht vollständig) sowie einige Quartette aus op. 64 und die Vier Quartette, op. 92, von Johannes Brahms herausgegeben.

Chorische Besetzung

Brahms hatte ja seine Quartette und seine Liebeslieder-Walzer zunächst für eine solistische Besetzung komponiert. Aber nachdem er sie in chorische Besetzung gehört hat, hat er auch diesen Aufführungen zugestimmt und sie gelobt. Schließlich wurden damals Chorlieder gebraucht, denn das gemeinsame Singen hat den Rahmen der Hausmusik verlassen und es wurden Liedertafeln und Gesangsvereine gegründet, die Repertoire benötigten …

Liebe und Schmerz

Als Texte hat Brahms bei diesen Liebesliederwalzern kurze Gedichte aus aller Welt verwendet, die Georg Daumer übersetzt hatte.

Während die ersten Liebeslieder-Walzer von tändelnder Liebe berichten und die Sonnenseiten des Lebens beschreiben, sind die Neuen Liebeslieder-Walzer dunkler gestimmt. Hier werden auch die Schattenseiten des Lebens, Schmerz und unerfüllte Sehnsüchte beschrieben. Das hatte vor allem den Grund, dass Brahms in die Tochter von Clara Schumann verliebt war, als er sein op. 52 komponiert hat. Und 6 Jahre später, beim Schreiben der 2. Folge, wusste er inzwischen, dass seine Angebetete ihn verschmäht hat, denn sie hatte sich mit einem anderen verlobt …

Antiquierter Chorklang

Man hört natürlich, dass hier Profis am Werk sind, weil hier musikalisch alles stimmt. Aber das Klangideal ist ein anderes, als wir es heute idealisieren.

Diese Aufnahmen klingen für mich antiquiert. Denn hier singen breitere Stimmen mit viel Vibrato und man hört auch immer wieder eine Einzelstimme heraus. Sicherlich geht man hier davon aus, dass sich die Stimmen im Chor ja mischen – so wie es bei uns vor etlichen Jahren auch praktiziert wurde. Aber bei uns ist man davon längst abgekommen - wir bevorzugen heute Homogenität und schlanke Stimmführung.

Aber man muss anerkennen, dass der lettische Chor einen großen tragenden und warmen Ton besitzt und auch recht beweglich singt.

Aber durch den breiten Chorklang klingen diese wienerischen Walzer-Lieder zu wenig spritzig, zu wenig elegant. Und auch die Quartette kleben ein wenig …

Überzeugende Pianisten

Bei der Uraufführung saßen ja Clara Schumann und Johannes Brahms am Klavier und sie haben Solisten begleitet.

Die beiden Pianisten der CD müssen mehr geben, denn sie begleiten einen Chor. Sie passen sich dem Klang dieses Chores gut an, spielen weich, klangvoll, phrasiert, stilsicher und überzeugend – und sind für den Chor eine stützende Begleitung.

Diese CD ist durchaus gelungen, aber der antiquierte Chorklang stört mich. Es ist also keine ideale Interpretation. Ich würde in jedem Fall die Aufnahme mit dem Rundfunkchor Berlin unter der Leitung von Robin Gritton von 1999 vorziehen!

Astrid Belschner, kulturradio

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